AKW-Vorsitzender Bellmann: „Wir reden Klartext mit der Politik“


Garald Bellmann steht im Freien

Dr. Harald Bellmann | Foto: © Rau

Dr. Harald Bellmann, Unternehmer und Vorsitzender des Arbeitskreis Wirtschaft, über die Zukunft der Saarwirtschaft.
Stillstand ist Rückschritt. Unternehmer müssen querdenken können. Sich mit unkonventionellen Ideen profilieren. Ja – und auch mal Visionen haben. Der Veränderungsdruck in Gesellschaft und Wirtschaft ist groß und schnell. Der zuweilen inflationär gebrauchte Begriff der Digitalisierung macht das deutlich. Das sind einige der Maximen des saarländischen Unternehmers Dr. Harald Bellmann (56) aus Dillingen.
 
Der Saarländer hat eine bemerkenswerte berufliche Karriere hinter sich. Heute ist er geschäftsführender Gesellschafter der BVT Bellmann GmbH mit 130 Beschäftigten und einer Jahresleistung von etwa 20 Millionen Euro. Das „VT“ steht für Versorgungstechnik: Das Portfolio reicht von Heizung, Sanitär über Klima, Kälte, Lüftung bis zu Anlagenbau und Gebäudeautomation. Einzugsbereiche sind überwiegend das Saarland und das benachbarte Luxemburg.
 
Das Unternehmerdasein war eigentlich in jungen Jahren nicht sein Ziel. Er ist gelernter Bankkaufmann, studierte Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule für Technik und Wirtschaft und an der Universität in Saarbrücken und machte seinen Dipl.-Kaufmann. Danach ging es 1992 zur Dresdner Bank nach Frankfurt, 1995 beendete er das berufsbegleitende Promotionsstudium (Thema: „Kapitalmarkteffizienzen und Optionspreistheorie“). Dann sein Wechsel 1995 zur Frankfurter BHF-Bank AG, wo er zuletzt einen internationalen Aktienfonds managte. Anschließend baute er sein eigenes Consulting-Unternehmen ab 1998 auf. Seit 2006 leitet er die von ihm gegründete BVT-Gruppe.
 
Neben seinem Manager-Job engagiert sich Bellmann seit 2002 beim Arbeitskreis Wirtschaft e.V. (AKW), einem großregionalen Netzwerk mittelständischer Unternehmen. Seit 2016 ist er Vorsitzender des AKW. Als Unternehmer ist er hautnah an den Tagesproblemen dran: „Ich verstehe mich in dieser Funktion als Anstoßgeber mit dem AKW. Wir reden Klartext mit der Politik. Nur das hilft uns mittelständischen Unternehmern, die wir ja so gerne als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bezeichnet werden.“
 
Natürlich treiben ihn die Veränderungen in der Saar-Wirtschaft um, weil auch sein Unternehmen dort als Auftragnehmer stark verankert ist und sein Geld verdienen muss. Ideen hat er eine Menge. „Wir müssen über die Hochschullandschaft das Land verändern und über die MINT-Fächer – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – wachsen.“ Die Hochschulen müssten sich stärker zu Denkfabriken für die Wirtschaft entwickeln. Da könne er sich auch eine andere Ausrichtung der Saar- Universität vorstellen.
 
Oder seine Ideen zum vielzitierten „Saarlandfonds“. Der solle nicht in die Hand der Saarländischen Investitionskreditbank (SIKB) gelegt werden: „Das muss ein privat gemanagter Fonds zur Start-up und Unternehmensförderung mit Privatgeldern werden, die Banken sollten daraufhin ihre vermögende Klientel ansprechen. Wir als AKW reden darüber mit der Landesregierung.“
 
Der saarländische Automotive- Bereich, größter industrieller Arbeitgeber mit über 40.000 Beschäftigten, habe die Chance, am Wandel der Branche sowie mit neuen Antriebs- und Mobilitätsmodellen zu partizipieren. Zum Beispiel in der Hybridtechnologie. Die heimische Stahlindustrie bleibe angesichts der angepeilten Dekarbonisierung der klassischen Stahlerzeugung „eine Dauerherausforderung“. Erhebliches Wachstumspotenzial etwa bei der Telemedizin sieht Bellmann, mit einer Ärztin verheiratet, im Gesundheitsbereich, in dem zehn Prozent aller Beschäftigten im Saarland tätig seien.
 
Auch das saarländische Handwerk mit seinen 12.000 Betrieben und gut 60.000 Beschäftigten befi nde sich im Wandel. Digitale Prozesse dringen dort vor. 3D-Druck mit individualisierter Produktion und maßgeschneiderte Dienstleistungen seien Wachstumssektoren der Zukunft für das Handwerk. Überhaupt sieht Bellmann vier Bereiche, die unsere Zukunft bestimmten: Robotik, virtuelle Realität, 3D-Druck und Künstliche Intelligenz. Diese prägten branchenübergreifend die künftige Wirtschaft. Die aktuelle Diskussion über die sogenannte. „Rückvermeisterung“ greife zu kurz. Vielmehr soll der Meister akademisch aufgewertet werden: „Der Meister sollte mit einigen Zusatzausbildungen aufgepeppt werden, mehr Betriebswirtschaft sollte in die Ausbildung und am Ende der Bachelor (BA) im Handwerk stehen.“ Bezüglich der Ausbildung des Handwerks- Nachwuchses plädiert er für einen staatlichen Beitrag im Rahmen der dualen Ausbildung, denn die Ausbildung an den Hochschulen koste (bis auf die Semesterbeiträge) ja nichts.
 

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