Baustellenmanagement professioneller gestalten


Interview Karl-Friedrich Hodapp für DHB zur Straßenzustandsumfrage
Interview Karl-Friedrich Hodapp für DHB zur Straßenzustandsumfrage

 

DHB Herr Hodapp der Zustand der saarländischen Straßen beschäftigt die Öffentlichkeit seit Monaten. Wie beurteilen Sie die Situation?

Hodapp Die saarländischen Straßen sind im Moment noch in einem ausreichenden Zustand, aber es besteht akuter Handlungsbedarf um sie zukunftssicher zu machen. Die Sperrung der wichtigsten Autobahn im Saarland, die Fechinger Talbrücke, hat gezeigt, welche Auswirkungen das haben kann. Für das saarländische Handwerk war das eine Katastrophe, insbesondere vor dem Hintergrund, dass der desolate Zustand der Brücken im Bereich dieses Autobahnabschnittes schon seit Jahren bekannt ist. Die meisten Autobahnbrücken im Saarland stammen aus den frühen sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Bedenkt man, dass Straßen und Brücken eine durchschnittliche Nutzungsdauer von 40 Jahren haben, so sind die Brücken auf der A6 schon 10 Jahre über ihr Verfallsdatum, besonders wenn man bedenkt, dass in den letzten Jahren nur kosmetische Reparaturen vorgenommen wurden. Das muss sich ändern!

DHB Die HWK-Umfrage hat gezeigt, dass die Handwerksunternehmen Zeitverluste wegen der schlechten Straßen beklagen. Wie sieht das bei Ihnen aus.

Hodapp Ich habe einen Aktionsradius von 200 km um meinen Firmenstandort und eine jährliche Fahrleistung von rund 250.000 Kilometer. Bei meinem Betrieb sind jeden Tag ca. acht Mitarbeiter in Fahrzeugen unterwegs und verlieren dadurch täglich insgesamt vier Arbeitsstunden im unplanmäßigen Stau. Bei mir kommen pro Woche also locker 20 Stunden Zeitverlust infolge schlechter Straßen zusammen. Das beginnt ja schon vor der Haustür. Die Zeitverluste durch schlechte Straßen verursacht im Monat Kosten von rund 4.000 Euro, also etwa 48.000 Euro im Jahr.

DHB Was stört sie am meisten an der aktuellen Situation?

Hodapp Das schlechte Baustellenmanagement. Es kann doch nicht sein, dass von heute auf morgen Straßensperrungen durchgeführt werden. Ich vermisse eine entsprechende Planung und Kommunikation im Vorfeld, damit man als Handwerksunternehmer nicht kalt erwischt wird. Zudem halten viele Umleitungsstellen nicht den Anforderungen stand. Da werden Straßen für den Schwerlastverkehr freigegeben, die dieser Belastung nicht standhalten und so selbst zum Sanierungsfall werden. Das Beispiel der Fechinger Talbrücke hat das gezeigt. Wenn hier die Planung im Vorfeld nicht stimmt, ist der nächste Stau vorprogrammiert.

DHB Was müsste Ihrer Ansicht nach getan werden?

Hodapp Es ist allen bewusst, dass das Saarland sparen muss. Aber die Straßen sind die Lebensadern der saarländischen Wirtschaft. Deshalb müssen die zur Verfügung stehenden Gelder auch genutzt werden, alle Planungs- und Vergabeverfahren zügig durchzuführen. Zudem benötigen wir ein professionelles Baustellenmanagement, um Behinderungen durch Engstellen während der Bauphasen so kurz wie möglich zu gestalten. Dies setzt genügend qualifiziertes Personal voraus oder aber auch Fremdleistungen von Fachplanern, die an der Saar ausreichend vorhanden sind. Jetzt ist es erst 5 vor 12 und noch nicht zu spät, die Weichen für den wirtschaftlichen Erfolg nicht nur des saarländischen Handwerks zu stellen. Eine funktionierende Straßeninfrastruktur ist dazu die Voraussetzung.