Bis Ende des Jahres ist Lkw-Verkehr wieder möglich


Interview mit dem stellvertretenden Direktor des Landesbetriebes für Straßenbau Werner Nauerz

Die Sperrung der Fechinger Talbrücke hat eine Sicherheitsdiskussion ausgelöst. Der stellvertretende Direktor des Landesbetriebes für Straßenbau Werner Nauerz erklärt den Prüfungsprozess.

Werner Nauerz stellt eine rasante Entwicklung des Verkehrsaufkommens und steigende Gesamtgewichte des Schwerverkehrs fest. Deshalb müssten insbesondere ältere Brückenbauwerke neu bewertet werden.

DHB: Herr Nauerz, an wen können sich Handwerksunternehmer wenden, wenn sie Fragen zur Sperrung der Fechinger Brücke haben?

Nauerz: Wer Fragen hat, kann den Landesbetrieb für Straßenbau unter der Mailadresse info@lfs.saarland.de direkt kontaktieren.

DHB: Wann ist mit einer Aufhebung der Einschränkungen für Betriebe in diesem Bereich zu rechnen?

Nauerz: Wir arbeiten mit Hochdruck an den baulichen Maßnahmen, so dass ab Mitte Mai eine Freigabe für den PKW- Verkehr geplant ist. Ob dies einspurig oder zweispurig umsetzbar ist, wird sich in den nächsten Tagen entscheiden. In einem weiteren Schritt soll die Verstärkung der Brückenpfeiler bis Ende des Jahres wieder LKW-Verkehr auf der Brücke möglich machen.

DHB: Wie wird gewährleistet, dass nicht weitere Brückensperrungen im Saarland folgen?

Nauerz: Zur Zukunftssicherung der Straßeninfrastruktur müssen angesichts der Altersstruktur der Brückenbauwerke in Deutschland, der rasanten Entwicklung des Verkehrsaufkommens sowie der steigenden Gesamtgewichte des Schwerverkehrs insbesondere ältere Brückenbauwerke neu bewertet werden. Die Bewertung erfolgt durch das so genannte Nachrechnen.

Für das bundeseinheitliche Vorgehen bei der Überprüfung der Zukunftstauglichkeit der Brückeninfrastruktur hat das Bundesverkehrsministerium gemeinsam mit der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) und in Abstimmung mit den Straßenbauverwaltungen der Länder die „Strategie zur Ertüchtigung der Straßenbrücken im Bestand der Bundesfernstraßen“ entwickelt und ein Regelwerk zur objektbezogenen Nachrechnung entwickelt.

Bei der Nachrechnung nach aktuellen Vorschriften wird überprüft, ob ein Bauwerk den zukünftigen Verkehrsbeanspruchungen noch genügt. Tut es das nicht, muss es mittelfristig verstärkt oder ersetzt werden. Angesichts der großen Anzahl an älteren Brückenbauwerken hat die BASt nach einem bundesweit einheitlichen Kriterienkatalog eine Erhebung der Bestands- und Zustandsdaten von Bauwerken durchgeführt und eine Auswahl der vorrangig zu untersuchenden Brücken vorgenommen. 2010 resultierte daraus eine Bauwerksliste für jedes Bundesland mit prioritär zu untersuchenden Brückenbauwerken (BASt-Liste). Weil das Bundesverkehrsministerium den erforderlichen Zeitraum für die Nachrechnung der Brücken auf mindestens ein Jahrzehnt eingeschätzt hat, wurde jedem Bauwerk auf der Liste eine objektbezogene Prioritätskennzahl zugewiesen.

Die Straßenbauverwaltung des Saarlandes bekam im Frühjahr 2010 die Liste der nachzurechnenden Bauwerke, bei denen das Bundesverkehrsministerium Prioritäten sah. Für das Saarland waren 42 Teilbauwerke im Zuge von Bundesautobahnen und 17 Teilbauwerke im Zuge von Bundesstraßen auf der Liste. Teilbauwerke sind hierbei nicht mit Brücken gleichzusetzen. Üblicherweise besteht eine Autobahn-“Brücke“ -wie zum Beispiel die kürzlich verstärkte Klingenthalbrücke- aus zwei Brücken (den so genannten Teilbauwerken), für jede Fahrtrichtung eine eigene Brücke. Solche Listen wurden zeitgleich den Straßenbauverwaltungen aller Bundesländer übergeben.

Von den heute 43 Teilbauwerken im Zuge der Bundesautobahnen auf der Liste (Grumbachtalbrücke wurde auf Betreiben der Auftragsverwaltung 2011 ergänzt) wurden seit 2010 die Nachrechnungen für 34 Teilbauwerke abgeschlossen, fünf Nachrechnungen befinden sich noch in Bearbeitung. Für zwei Teilbauwerke sind aktuell keine Nachrechnungen erforderlich, weil sie sich nicht im Zuge der BAB befinden. Für weitere zwei Teilbauwerke ist die Nachrechnung entbehrlich, weil sich ein Ersatzneubau bereits in der Planung befindet.

Bei den vom Bund gelisteten 17 Teilbauwerken auf Bundesstraßen sind alle Nachrechnungen begonnen. Außerdem werden fortlaufend weitere Brücken untersucht. Ferner werden die Brücken alle drei Jahre Bauwerksprüfungen nach DIN 1076 unterzogen, bei denen der Zustand und eventuelle Schäden festgestellt werden. Somit ist gewährleistet, dass vorhandene bzw. sich entwickelnde Schäden dokumentiert werden. Aus den Ergebnissen der Brückenprüfungen resultieren dann die Notwendigkeiten von Instandsetzungen, Verstärkungen bzw. Ersatzneubauten. Das Thema der Brücke wird somit ständig vorangetrieben und im Auge behalten, die Gewährleistung, dass nicht weitere Brückensperrungen erfolgen, kann leider trotzdem niemand geben.

DHB: Wie wird sichergestellt, dass Informationen über bevorstehende Brückensperrungen frühzeitig an die Öffentlichkeit gelangen?

Nauerz: Eine Sperrung einer Brücke ist leider kein planbares Ereignis, sondern eine Folge der Ergebnisse der Nachrechnungen. Wird ein derartiges statisches Defizit festgestellt - eine Brücke kann die Lasten des laufenden Verkehrs nicht mehr tragen - muss eine sofortige Sperrung der Brücke erfolgen. Die Information der Öffentlichkeit erfolgt unmittelbar nach der Anordnung an die Verkehrssicherungsunternehmen, die notwendige Vollsperrung einzurichten.

DHB: Stimmen sich die Straßenbaubetriebe bundesweit ab? Hätte ein bundesweiter „Masterplan Brückensanierungen“ Sinn?

Nauerz: Es gibt vom Bundesverkehrsministerium gemeinsam mit der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in Abstimmung mit den Straßenbauverwaltungen der Länder eine gemeinsame Strategie, die ich als sinnvoll und notwendig erachte. Sie stellt einen solchen bundesweiten „Masterplan Brückensanierung“ dar.