Fachkräfte gewinnen – aber wie?


FACHKRÄFTE: Handwerkskammer bietet breites Portfolio an Dienstleistungen
zur Bekämpfung des Bewerbermangels

 
FACHKRÄFTE: Handwerkskammer bietet breites Portfolio an Dienstleistungen 
zur Bekämpfung des Bewerbermangels

VON DR. JUSTUS WILHELM

Im Jahr 2015 konnte das deutsche Handwerk bundesweit einen kleinen Zuwachs bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen von etwa zwei Prozent verzeichnen. Leider blieb das Saarland von dieser Entwicklung abgekoppelt und erneut mussten wir einen Rückgang der neu abgeschlossenen Verträge feststellen. „Wir wissen seit Jahren, dass es im Saarland immer weniger junge Menschen gibt und verschärft wird diese demografische Problematik durch den Umstand, dass immer mehr junge Menschen glauben, nur ein Studium könne ihnen berufliche Erfüllung bieten. Darunter leidet das Handwerk ganz besonders und viele Betriebe berichten uns, dass sie nicht einmal mehr schlechte Bewerbungen erhalten“, erklärt HWK-Präsident Bernd Wegner die Situation.

Bewerber dringend gesucht

Der Appell „Wer ausbildet, der sichert seine Zukunft“ diente ursprünglich dazu, Unternehmen zu motivieren, Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. An Aktualität hat diese Aufforderung aber bis heute nichts verloren. Nur haben sich die Voraussetzungen grundlegend geändert. Wurden in der Vergangenheit dringend Ausbildungsbetriebe gesucht, so suchen die Unternehmen heute dringend Bewerber. Nach wie vor gilt: Die Ausbildungsbereitschaft der saarländischen Handwerksunternehmen ist ungebrochen hoch. Das beweist auch die immer größer werdende Anzahl frei werdender Lehrstellen am Ende eines Ausbildungsjahres.

Gezielte Maßnahmen

Mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen und Unterstützungsinstrumenten hilft die Handwerkskammer den Betrieben, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Zu den wichtigsten Instrumenten zählen die Lehrstellenbörse unter www.lehrstellen-radar.de und www.lehrstellenbörse.saarland sowie die HWK-Plattform www.wissen-nach-plan.de. Unsere Experten unterstützen die Betriebe dabei, ihre freien Ausbildungsplätze perfekt in Szene zu setzen.

Die Börse wird immer mehr in Verbindung mit der App „Lehrstellenradar“ genutzt. Hier können Betriebe durch eine Verlinkung zu ihrer Homepage entscheidend punkten. Hilfreich ist in jedem Fall eine Darstellung der Entwicklungsmöglichkeiten und Benefits, die Unternehmen für Mitarbeiter bieten. Das kann von der Freistellung für die Meisterausbildung über die Nutzung des firmeneigenen Fuhrparks bis hin zu Prämien bei Bestleistungen etc. gehen. Die HWK-Ausbildungsberater oder Lehrstellenvermittler beraten hier gerne kostenlos. Darüber hinaus bewirbt die HWK in verschiedenen Medien die Azubi-Hotline 0681-5 809 809, die Anrufer direkt zu den HWK-Ausbildungsberatern weiterleitet.

Praktika, Schulkontakte und Berufsorientierung

Der Einstieg in eine handwerkliche Berufsausbildung erfolgt in der Regel über ein schulisches Praktikum. Daher sollten Kontakte zu den weiterführenden Schulen im Ort gepflegt werden. Der gute alte Handzettel reicht dazu schon aus. Ein paar Highlights hinzugefügt, wie Informationen zur anschließenden Beschäftigung, Entwicklungsmöglichkeiten etc. und schon hebt man sich von anderen Anbietern ab. Kontakte zu Lehrern, Direktoren, Berufsberatern dienen dazu, auch Informations- und Schulbesuche zu nutzen. Bereits ein kleines Gewinnspiel im Sinne einer Rallye lassen Betriebsführungen und Erkundungen auch in kleinen Unternehmen spannend werden. Oftmals ist es gar nicht die Höhe und der Wert des zur Verfügung gestellten Preises, sondern der Wettbewerbscharakter an sich, der zählt.

Regionale Werbung nutzen

Anzeigen in den regionalen Medien sind weiterhin der klassische Weg, freie Lehrstellen und Arbeitsplätze zu bewerben. Zielgruppe sind dabei in erster Linie nicht unbedingt die Jugendlichen, sondern Multiplikatoren wie Eltern und Angehörige. Eine gute Anzeige soll neben den gewünschten Qualifikationen der Bewerber auch eine kurze und ansprechende Selbstdarstellung des Unternehmens beinhalten. Besonderheiten, die das Unternehmen als Arbeitgeber attraktiv erscheinen lassen und mit denen man sich vom Wettbewerber absetzen kann, sollten herausgestellt werden.

Zu guter Letzt

Mundpropaganda ist ein wirkungsvolles Instrument bei der Personalgewinnung. Wenn es dem Auszubildenden im Unternehmen gefällt und er dies weiter erzählt, ist dies eine Art von Werbung, die unbezahlbar ist. Auszubildende können angesprochen werden, ob sie Schulkameraden haben, Geschwister, Freunde oder Bekannte, die für eine Ausbildung in Frage kommen. Im Sportverein, in der Feuerwehr oder in der Nachbarschaft können persönliche Kontakte genutzt werden, um junge Menschen persönlich einzuladen, das Unternehmen kennenzulernen. Eine Führung im persönlichen Rahmen (Grillabend) lässt das Unternehmen in jedem Fall positiv erscheinen. Originelle Ideen sind jedenfalls gefragt, um potenzielle Bewerber auf sich aufmerksam zu machen. Die Mitarbeiter der HWK stehen mit Rat und Tat zur Verfügung. Ansprechpartner: Bereichsleiter Dr. Justus Wilhelm, Tel.: 0681/ 58 09-115, E-Mail: j. wilhelm@hwk-saarland.de.