Handwerk in der Rezession weitgehend robust


Trotz Rezession hat sich das Handwerk im Gegensatz zu anderen Teilen der Wirtschaft relativ robust gezeigt. Für 2009 wird allerdings sowohl beim Umsatz als auch bei der Beschäftigung eine negative Entwicklung erwartet.
Trotz Rezession hat sich das Handwerk im Gegensatz zu anderen Teilen der Wirtschaft relativ robust gezeigt. Für 2009 wird allerdings sowohl beim Umsatz als auch bei der Beschäftigung eine negative Entwicklung erwartet. Die Ausbildungsbereitschaft im Handwerk ist ungemindert hoch, dennoch wird der Fachkräftemangel zusehends zum Problem. 

 „Um dem Fachkräftemangel wirkungsvoll zu begegnen, müssen alle Potenziale ausgeschöpft und dem Arbeitsmarkt erschlossen werden“, betonte Präsident Hans-Alois Kirf bei der Jahrespressekonferenz der Handwerkskammer des Saarlandes (HWK). Eine gesunde Fachkräftebasis sei letztlich die Grundlage einer funktionierenden Wirtschaft. In diesem Zusammenhang lobte er die hohe Ausbildungsbereitschaft im Handwerk. 
Die stabilisierende Funktion des Handwerks unterstrich auch Hauptgeschäftsführer Georg Brenner bei der Präsentation der Wirtschaftdaten. Obwohl Deutschland die größte Rezession seit dem zweiten Weltkrieg durchlaufen habe, sei man noch relativ glimpflich davongekommen. Für das Saarland sei die Situation insbesondere wegen der hohen Exportorientierung von großen Teilen der Wirtschaft weitaus schwieriger zu meistern gewesen. So ging die wirtschaftliche Leistung im Saarland in der ersten Jahreshälfte zurück. Das BIP reduzierte sich um 10,1 Prozent; im Vergleich dazu sank die reale Wirtschaftsentwicklung im Bund um minus 6,8 Prozent. Dennoch erwies sich der Arbeitsmarkt im Saarland als relativ stabil. So lag im November die Arbeitslosenquote im Saarland mit 7,4 Prozent weiterhin wenn auch nur leicht unter dem Durchschnitt für Gesamtdeutschland von 7,6 Prozent. 

Branchenentwicklung im Handwerk unterschiedlich 
Das für die gesamte Bundesrepublik beschriebene grundsätzliche konjunkturelle Muster zeigte sich auch im Handwerk. Die Handwerksbetriebe bekamen zwar die Auswirkungen der globalen Wirtschaftsrezession zu spüren, dennoch konnten sie sich in den zurückliegenden Monaten im rauen Konjunkturklima gut behaupten. Insgesamt erwiesen sie sich damit als stabilisierender Faktor für die Wirtschaft. Im Herbst waren die Handwerksunternehmer sogar spürbar besserer Stimmung als noch im Frühjahr. Das zeigt beispielsweise im Saarland der HWK-Geschäftsklimaindex. Das Niveau vom Herbst 2008 wurde nur leicht unterschrit-ten und der Indexwert liegt mit aktuell 94 Punkten wieder deutlich über dem Frühjahrestiefpunkt von 88 Punkten. 
Im saarländischen Handwerk entwickelten sich die einzelnen Branchen unter-schiedlich. Zu den Gewinnern zählten in diesem Herbst im Bau- und Ausbau-handwerke diejenigen Betriebe, die von den Maßnahmen zur Energieeinsparung sowie den Aufträgen aus den Konjunkturprogrammen profitieren konnten. Probleme bereitet nach wie vor aber der private Wohnungsbau und der Wirt-schaftsbau. Generell bescheinigt die HWK der Landesregierung bei der Umsetzung der Konjunkturpakete ein sehr schnelles Handeln, das bundesweit einmalig gewesen sei. 
Die handwerklichen Zulieferer bilden derzeit das Schlusslicht. Ihre Entwicklung war bestimmt durch erhebliche Auftragseinbrüche. So gingen die Umsätze allein im dritten Quartal um 28 Prozent zurück.
Ein positives Bild zeigt sich hingegen bei den KFZ-Handwerken. Die „Abwrack-prämie“ wirkte sich spürbar absatzfördernd und damit positiv auf den Handels-umsatz aus. Die Beschäftigung konnte davon allerdings nicht profitieren. Die konsumorientierten Handwerke zeigten sich ebenfalls relativ stabil.
Während im vergangenen Jahr der Betriebsbestand im Saar-Handwerk stagnierte, hat er sich in diesem Jahr positiv entwickelt. Zum 30.11.2009 waren 11.820 Betriebe (11.569) in die Handwerksrolle eingetragen (+ 2,2%). Diese setzen sich zusammen aus 7.798 Betrieben der Anlage A (+ 1,4%), 1.727 Betrieben der Anlage B1 (+ 8,2%) sowie 2.295 Betrieben des handwerksähnlichen Gewerbes  (+ 0,7%). 

Erwartungen für das 4. Quartal
Die HWK hofft, dass sich das Handwerk im 4. Quartal besser entwickelt. So würden etwa die angeschobenen Konjunkturprogramme erst mit Verzögerung ihre volle Wirkung zeigen. Die Handwerkskammer rechnet damit, dass der bisherige Verlauf der Umsatzentwicklung mit seinem Tiefststand zur Jahresmitte von minus 6,1 Prozent sich zum Jahresende hin auf etwa minus 4,5 Prozent einpendeln wird. Ihrer Prognose nach wird das saarländische Handwerk im laufenden Jahr zudem einen  Beschäftigungsrückgang von etwa minus drei Prozent aufweisen. Diese Schätzung beruht auf dem bisherigen Jahresverlauf der Handwerkskonjunktur. Somit wird das Handwerk zum Jahresende rund 70.000 Beschäftigte haben und einen geschätzten Umsatz von 5,3 Milliarden Euro machen. 

2010 wird für das Handwerk nicht einfach 
Für 2010 erwartet die HWK, dass sich die Situation der handwerklichen Zulieferer nur sehr zögerlich verbessern wird. Verschlechtern dürfte sich die Entwick-lung im Kfz-Handwerk, da es voraussichtlich von den negativen Rückwirkungen der Abwrackprämie eingeholt wird. 
In der Bauwirtschaft ist für 2010 von einer Stabilisierung im öffentlichen Bau auszugehen. Der private Wohnungsbau wird trotz Förderung energetischer Sanie-rung Sorgenkind bleiben und der Neubau von Wohnungen wird sich weiter rück-läufig entwickeln. Auch vom Wirtschaftsbau werden in 2010 keine wesentlichen Impulse erwartet.
Für die konsumorientierten Handwerke wird entscheidend sein, wie sich die Kaufkraft entwickeln wird. Hier sind genaue Vorhersagen nur schwer möglich. Es ist zu befürchten, dass sich im kommenden Jahr eine Zunahme der allgemeinen Arbeitslosigkeit natürlich auch negativ auf den Konsum auswirken wird. „Das sind alles in allem Perspektiven, die mich zu dem Schluss kommen lassen, dass wir im Handwerk keine wesentliche Verbesserung zu 2009 haben werden“, so Brenner. Nur wenn die Politik von Bund und Land energisch Maßnahmen zur Förderung des wirtschaftlichen Wachstums einleiten, wie beispielsweise die Reduzierung der Steuer- und Abgabenbelastung, Entbürokratisierung oder den Ausbau der Wirtschaftsstrukturförderung könne sich eine Aufwärtsentwicklung einstellen.  

Fachkräftemangel nimmt zu 
Neben der wirtschaftlichen Krise  wird auch der Fachkräftemangel in den nächs-ten Jahren zunehmend für die Betriebe zum Problem. Präsident Kirf begrüßt in diesem Zusammenhang, dass die Landesregierung in der Bildungspolitik einen Schwerpunkt setzen will. Mit Genugtuung habe er zur Kenntnis genommen, dass Schüler mit Entwicklungsrückständen und Wissenslücken verstärkt individuell gefördert werden sollen. Die Einrichtung eines Förderprogramms für Schüler mit Lern- und Leistungsrückständen an allen weiterführenden Schulen sei  eine wichtige Entscheidung, da nur so die hohe Schulabbrecherquote gesenkt werden könne.  
Kirf begrüßt zudem, dass der kindlichen Frühförderung entsprechende Aufmerksamkeit gewidmet wird, um die Startchancen aller Kinder zu verbessern.  

Mit der Aus- und Weiterbildungsbilanz der Handwerkskammer zeigte sich der Präsident zufrieden. Das Ziel, allen ausbildungswilligen Jugendlichen eine Lehrstelle zu besorgen, sei erreicht worden. Auch wenn die Zahl der neu abge-schlossenen Lehrverträge gegenüber dem Vorjahr um ca. zwei Prozent auf jetzt 2.738 zurückging, zeige sich doch die ungebrochen große Ausbildungsbereitschaft im Handwerk. Derzeit befinden sich insgesamt 7.026 Jugendliche in einem Ausbildungsverhältnis. 
Dieses Ergebnis habe die HWK auch durch intensive Beratungs- und Informationsgespräche erreicht. Dazu seien 1.800 Handwerksbetriebe persönlich kontaktiert worden und hätten über 2.000 Ausbildungsberatungen stattgefunden. 
Darüber hinaus besuchten rund 11.500 Teilnehmer die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung und wurden 3.500 Zwischen-, Gesellen- und Abschlussprüfungen abgelegt.
Besonders stolz ist Kirf auch über die Entwicklung der Saarländischen Meister- und Technikerschule, die in diesem Jahr bei den Neueinschreibungen einen Zuwachs von 22 Prozent hatte.
Dennoch betonte er, könne man nicht zufrieden sein mit der Tatsache, dass viele Stellen im Handwerk unbesetzt blieben. In diesem Kontext verwies er auf die verschiedenen Maßnahmen der Kammer in bezug auf die Nachwuchswerbung. Hier werde das Handwerk im nächsten Jahr mit einer gezielten Imagekampagne, Jugendlichen das Handwerk als Berufsalternative schmackhaft machen. 

Fazit
Die wirtschafts- und bildungspolitische Situation bleibt auch in 2010 angespannt. Die Politik ist aufgefordert hier energisch entgegenzuwirken und die notwendigen Veränderungen einzuleiten und umsetzen.

Saarbrücken, 16. Dezember 2009