Handwerk mit verheißungsvollem Jahresauftakt


Mit einer guten Stimmung starteten die saarländischen Handwerksunternehmen in das neue Jahr. Das belegen die Ergebnisse der Frühjahrsumfrage der Handwerkskammer des Saarlandes (HWK).

Mit einer guten Stimmung starteten die saarländischen Handwerksunternehmen in das neue Jahr. Das belegen die Ergebnisse der Frühjahrsumfrage der Handwerkskammer des Saarlandes (HWK). Die Zufriedenheitswerte bewegen sich hinsichtlich der Geschäftslage auf hohem Niveau. Auftrags- und Umsatzentwicklung werden besser als vor einem Jahr beurteilt. Die Erwartungen für die kommenden Monate sind sehr zuver-sichtlich. Eine Sonderumfrage bestätigt Be¬deutung des überregionalen Absatzes.

„Das saarländische Handwerk ist aufgrund der guten konjunkturellen Rahmenbedingungen verheißungsvoll in das neue Jahr gestartet. Die positive Stimmung drückt sich in den hohen Zufriedenheitswerten aus und ist auch ein Grund dafür, dass unser Handwerk sehr optimistisch nach vorne schaut“, fasst HWK-Präsident Bernd Wegner die Ergebnisse der HWK-Frühjahrsumfrage zusammen. Dennoch gebe es auch Risiken. Unsicherheitsfaktoren sind etwa die Diskussionen um Grenzkontrollen aufgrund ungeregelter Zuwanderung, ein drohender Austritt Großbritanniens aus der EU und die Verschuldungslage Griechenlands. Wegner wies darauf hin, dass die HWK ergänzend zur Konjunkturumfrage auch eine Sonderumfrage zum überregionalen Absatz durchgeführt habe. Deren Ergebnisse bestätigten, dass der Fokus des Handwerks zwar auf regionalen Geschäftsaktivitäten liege, es aber auch ein wichtiger überregionaler Wirtschaftsfaktor sei.

Das Stimmungshoch im saarländischen Handwerk hält an. Insgesamt 87 Prozent (Frühjahr 2015: 82 %) sprechen von einer guten oder befriedigenden Geschäftslage. Der Anteil der Betriebe mit guter Beurteilung lag bei 31 Prozent (Frühjahr 2015: 33 %). Nur bei 13 Prozent (Frühjahr 2015: 18 %) der Unternehmen liefen die Geschäfte schlecht. Der Stimmungsindikator ist per Saldo deutlich positiv.

Die Ergebnisse bezüglich Auftrags- und Umsatzentwicklung fallen besser als im Frühjahr 2015 aus. Der Anteil der Betriebe, die ein Umsatzplus meldeten, ist auf 22 Prozent (Frühjahr 2015: 19 %) gestiegen. 27 Prozent der Betriebe, sieben Pro-zentpunkte weniger als im Frühjahr 2015, verbuchten geringere Umsätze. Die Auftragsbestände sind bei 78 Prozent der Betriebe, zehn Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr, konstant geblieben oder gestiegen. 22 Prozent der Unternehmen (Frühjahr 2015: 32 %) verzeichneten einen Rückgang.

Die Aufträge reichten im Schnitt für 7,8 Wochen. Der durchschnittliche Auslastungsgrad der betrieblichen Kapazitäten lag mit 75 Prozent damit leicht über dem Frühjahrswert von 2015. Wegner zeigte sich erfreut, dass der Anteil der Betriebe, die zu mehr als 90 Prozent ausgelastet sind sich mit 22 Prozent weiterhin auf einem beachtlichen Niveau bewegt (Frühjahr 2015: 21 %).

Der konjunkturellen Entwicklung entsprechend hielt die Mehrheit der Betriebe die Beschäftigung stabil. Drei Viertel (Frühjahr 2015: 73 %) der Befragten änderten ihre Mitarbeiterzahl nicht. Per Saldo ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen. 14 Prozent (Frühjahr 2015: 15 %) reduzierten ihren Personalbestand, während elf Prozent (Frühjahr 2015: 12 %) zusätzliche Arbeitsplätze einrichteten.

HWK-Geschäftsklimaindex

Das positive Stimmungsbild spiegelt auch der Verlauf des HWK-Geschäftsklimaindex wider, der die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage sowie die Zukunftserwartungen der Unternehmen abbildet. Der Klimaindikator ist zum dritten Mal in Folge gestiegen und liegt mit aktuell 88 Punkten nur einen Punkt unter seinem bisherigen Höchststand.

Branchenbetrachtung

Die Geschäftslage wird über die Branchen hinweg mehrheitlich positiv bewertet. Das Bauhauptgewerbe liegt zwar hinsichtlich der Beurteilung der Geschäftsentwicklung etwas unter dem Durchschnitt für das Gesamthandwerk. Dennoch zeigen die Ergebnisse, dass die Betriebe überwiegend zufrieden mit ihrem Geschäftsverlauf sind. Während sich die Umsätze saisonüblich verhaltener entwickelten, war die Auftragsentwicklung positiv. Die Betriebsinhaber der Ausbauhandwerke waren angesichts ihrer Auftrags- und Umsatzsituation guter Dinge. „Wir profitieren derzeit von anhaltend niedrigen Zinsen und der guten Nachfrage im Wohnungsbau“, erklärt Stefan Ollinger, Mitinhaber der Firma Hoffmann und Ollinger GmbH aus Mettlach-Wehingen. Nicht zuletzt wegen des breit aufgestellten Portfolios im Bereich der regenerativen Energien sei die Auftragslage noch gut. Sorgen für die Zukunft mache allerdings der Fachkräftemangel.

Eine ausgesprochen positive Stimmung herrschte bei den Handwerken des gewerblichen Bedarfs, die Umsatz- und Auftragsentwicklung wurde deutlich besser als im Frühjahr 2015 beurteilt. Dipl.-Ing. Udo Zenner, Inhaber von Zenner Aluminiumbau, die Profile für Fenster und Türen auch für den internationalen Markt herstellt, bewertet die Konjunktur differenziert. Die überregionale Wettbewerbsintensität habe zugenommen.

Umsatzzuwächse haben im Kfz-Gewerbe unter den Betriebsinhabern für gute Laune gesorgt. Das gleiche gilt auch für die Betriebe des Nahrungsmittelhandwerks.

Eine zufriedene Bilanz zogen auch die am privaten Konsum orientierten personenbezogenen Dienstleister, die eine stabile Nachfrage verzeichneten.

Die Betriebe des Gesundheitshandwerks bewerteten ihre Geschäftslage überwiegend mit zufriedenstellend; Umsatz- und Auftragsentwicklung werden deutlich besser beurteilt als vor einem Jahr.

Erwartungen sind zuversichtlich

Sehr zuversichtlich blicken die saarländischen Handwerksunternehmen auf die kommenden Monate. Insgesamt erwarten 89 Prozent (Frühjahr 2015: 88 %) eine stabile oder bessere Geschäftsentwicklung. 30 Prozent der Betriebe (Frühjahr 2015: 34 %) gehen davon aus, dass im zweiten Vierteljahr die Geschäfte besser laufen werden. Nur elf Prozent (Frühjahr 2015: 12 %) befürchten eine Verschlechterung.

Die Nachfrage nach handwerklichen Leistungen dürfte sich nach Meinung der Betriebe weiter beleben. 31 Prozent (Frühjahr 2015: 34 %) hoffen auf steigende Auftragszahlen, während 12 Prozent (Frühjahr 2015: 16 %) mit einem Nachfragerückgang rechnen. Insgesamt erwarten 89 Prozent (Frühjahr 2015: 84 %) eine konstante oder steigende Nachfrage.

Per Saldo klar positiv sind auch die Umsatzprognosen. 34 Prozent der Befragten (Frühjahr 2015: 37 %) sind davon überzeugt, das zweite Quartal mit einem Umsatzplus abschließen zu können, mit dem Gegenteil rechnen 14 Prozent, das sind genauso viele wie im Frühjahr 2015. 52 Prozent gehen von einer stabilen Entwicklung aus.

In den kommenden Monaten dürfte nach dem Urteil der Betriebe die Beschäftigung weitgehend stabil bleiben. Jedenfalls planen 82 Prozent keine Veränderung ihrer Mitarbeiterzahl. Ein leicht positiver Saldo deutet sogar auf eine Belebung hin. Jeder Zehnte (Frühjahr 2015: 10 %) will zusätzliches Personal einstellen und nur acht Prozent (Frühjahr 2015: 8 %) planen, die Belegschaft zu verringern.

Überregionaler Absatz wichtig

In einer Sonderumfrage hat die HWK die überregionale Geschäftsaktivitäten abgefragt. „Es hat sich bestätigt, dass das Handwerk ein wichtiger regionaler Versorger ist. Fast drei Viertel ihres Umsatzes erwirtschaften unsere Betriebe im Inland in einem Umkreis von bis zu 50 Kilometern“, erklärt HWK-Hauptgeschäftsführer Dr. Klein-Zirbes. Aber es ist eben auch ein wichtiger überregionaler Wirtschaftsfaktor, der auch im Ausland seine Produkte und Dienstleistungen anbietet.

Die Zielmärkte der Exporteure des Handwerks liegen vor allem in Europa; hier stehen die deutschen Nachbarstaaten an erster Stelle. Drei von vier auslandsaktiven Handwerksbetrieben (75,9 %) unterhalten Geschäftsbeziehungen in direkt an die Bundesrepublik grenzende Länder. 29,5 Prozent exportieren in die übrigen EU-Länder und 3,2 Prozent ins restliche Europa. „Luxembourg ist für uns seit zehn Jahren ein wichtiger Absatzmarkt.“, erklärt Dipl.-Ing. Udo Zenner, der zudem für einen internationalen Fensterhersteller als Stützpunktpartner für das Dreiländereck autorisiert ist. Auch für Stefan Ollinger sind die Auslandsaktivitäten wichtig. „Mit dem Engagement in Afrika können wir den Rückgang an Photovoltaik-Aufträgen in Deutschland kompensieren.“

Gebremst werden die wirtschaftlichen Aktivitäten im Auslandsgeschäft am häufigsten von bürokratischen Aufwand (46,8 %). 28 Prozent der Betriebe geben die Sprache als Hemmnis an und rund 21 Prozent werden durch unzureichende Kapazitäten bzw. der Mangel an benötigten Fachkräfte ausgebremst.

Ausblick

Für 2016 rechnen die Wirtschaftsexperten mit einer positiven Entwicklung des Bruttoinlandprodukts. „Von dieser positiven Entwicklung werden auch das Saarland und damit das Handwerk profitieren“, ist Wegner überzeugt. Die Zeichen für eine weitere konjunkturelle Belebung sind jedenfalls günstig. „Das belegen auch die positiven Erwartungen an die Umsatz- und Nachfrageentwicklung für das zweite Quartal“, so der HWK-Präsident. Allerdings gebe es auch Risikofaktoren wie beispielsweise eine ausreichende Fachkräfteversorgung im Handwerk, die zu den größten Herausforderungen zählt.

Saarbrücken, 3. Mai 2016