Handwerk trotzt 2009 der Krise


„Innovation und Wachstum kommen zu einem nicht unbeträchtlichen Teil von kleinen und mittleren Unternehmen. Eine wirtschaftliche Erholung und Überwindung der Krise kann es deshalb nur mit einem gesunden Mittelstand geben“, betonte der Präsident der Handwerkskammer des Saarlandes (HWK), Hans-Alois Kirf.
„Innovation und Wachstum kommen zu einem nicht unbeträchtlichen Teil von kleinen und mittleren Unternehmen. Eine wirtschaftliche Erholung und Überwindung der Krise kann es deshalb nur mit einem gesunden Mittelstand geben“, betonte der Präsident der Handwerkskammer des Saarlandes (HWK), Hans-Alois Kirf, auf der Pressekonferenz zur Vorstellung des Geschäftsberichts 2009.
Um den Mittelstand als stabilisierenden Wirtschafts- und Wachstumsfaktor langfristig zu stärken, sieht er deshalb auf Landesebene dringenden Handlungsbedarf im Hinblick auf eine Qualitätsoffensive in der allgemeinen und beruflichen Qualifikation. Zudem muss der Mittelstand zur Sicherung eines nachhaltigen Wachstums gestärkt werden. Den dritten Bau¬stein sieht er in einer konsequenten Haushaltskonsolidierung, die den Spagat zwischen notwendigem Sparen und dringender Wirtschafts- und Investitionsförderung meistert.
Nach wie vor sei die viel zu hohe Anzahl der Schulabbrecher aber nicht akzeptabel. Die Einrichtung eines Förderprogramms für Schüler mit Lern- und Leistungsrückständen an allen weiterführenden Schulen wäre ein wichtiger Schritt. Auch die bislang eingeleiteten Maßnahmen der frühkindlichen Erziehung oder der verpflichtende Besuch einer vorschulischen Einrichtung gingen in die richtige Richtung. Es müsse aber noch mehr getan werden, um Kinder mit Migrationshintergrund zu integrieren. Eine klare Absage erteilte er dem saarländischen Vorstoß eines fünften Grundschuljahres. „Es macht wenig Sinn, wenn das Saarland hier im Bund eine Insellösung anstrebt“, so Kirf.

Bei der Förderung der Schulen dürften die Berufsschulen aber nicht vergessen werden. Sie müssten verstärkt Unterstützung erfahren, da sie den Auszubildenden die notwendige Allgemeinbildung und die Fachtheorie vermitteln. Der derzeitig starke Unterrichtsausfall sei verheerend, da die dadurch entstehenden Defizite nicht auszugleichen seien.

Der Präsident sieht die HWK und Organisationen der Wirtschaft mit ihren Ausbildungsstätten im Dualen System mit Unterstützung von EU, Bund und Land gut aufgestellt. Gerade mit den neuen Kompetenzzentren verfüge das Handwerk über moderne Weiterbildungsstätten, die bundesweite Standards setzen. 

Land muss Mittelstandsförderung fortsetzen
An das Land appellierte er, die Förderung der Existenzgründungen fortzusetzen und die Mittelstandsförderung auf dem bisherigen Niveau zu belassen. Zudem müsse durch die Weiterführung der Imagekampagne „Unternehmen Saarland“ sowie den Abbau von Standortnachteilen und den Ausbau der Infrastruktur das Saarland für die Zukunft fit gemacht werden. Das müsse eingebettet sein in eine konsequente Hauhaltskonsolidierung, die das Spar-potenzial im konsumtiven Bereich voll ausschöpfe. 
Reduzierter Mehrwertsteuersatz gegen Schwarzarbeit 
Er kritisierte, dass von der Bundesregierung keine positiven Wirtschaftsimpulse kämen. Das Gegenteil sei vielmehr der Fall. Die geplanten Erhöhungen bei den Arbeitskosten würden stattdessen Arbeitsplätze vernichten und die Schwarzarbeit fördern. Kirf bekräftigte deshalb nochmals die Forderung des Handwerks, über einen reduzierten Mehrwertsteuersatz der Schwarzarbeit endlich den Boden zu entziehen und so den Staatsfinanzen die verlore¬nen Steuerausfälle (geschätzt sind es rd. 256 Milliarden Euro pro Jahr) zuzuführen.

Handwerk trotzt 2009 der Krise
„Auch im Saarland bekamen Handwerksbetriebe die Auswirkungen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise zu spüren, dennoch konnte sich die Handwerkswirtschaft in den zurückliegenden Monaten im rauen Konjunkturklima behaupten“, so HWK-Hauptgeschäftsführer Georg Brenner. Insgesamt erwies sich das Handwerk als stabilisierender Faktor für die saarländische Wirtschaft. Trotz der leichten Besserung im Jahresverlauf müssen dennoch für das Jahr 2009 Rückgänge bei Umsatz und Beschäftigung bilanziert werden. So sank im Saarland die Beschäftigung um 2,6 Prozent auf 70.000 und die Umsätze verringerten sich um 4,2 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro. 

Branchenentwicklung
Dabei haben sich die einzelnen Branchen recht unterschiedlich entwickelt. Hart traf es die Gewerke des gewerblichen Bedarfs, also die Zulieferbetriebe zur Industrie, deren Lage sich im Zuge einer rückläufigen Exportwirtschaft und damit insgesamt sinkenden Nachfrage nach Investitionsgütern erheblich verschlechterte. Trotz einer im Jahresverlauf leichten Besserung im Bauhandwerk sind die Umsätze deutlich rückläufig. Positive Wachstumsraten hingegen verzeichnete das Kfz-Handwerk, das wesentlich von der Abwrackprämie profitierte. Auch die konsumorientierten Handwerke haben die Krise mehr oder weniger gut überstanden.

Ausbildung besser als Bundesdurchschnitt
Brenner zeigte sich erfreut darüber, dass das Saarland im Hinblick auf die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge mit minus 3.2 Prozent wesentlich besser abschnitt als der Bundesdurchschnitt mit minus 7,9 Prozent. Das ist ein Indiz, dass das saarländische Handwerk trotz Wirtschaftskrise an seiner hohen Ausbildungsbereitschaft festgehalten hat. Derzeit befinden sich 6.995 Jugendliche in einem Ausbildungsverhältnis, was einem leichten Rückgang um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Die gefragtesten Berufe waren die Kfz-Mechatroniker, gefolgt von den Friseuren, den Anlagenmechanikern für SHK, Malern und Lackierern sowie den Elektronikern und Metallbauern.

Betriebsstatistik
Zum 31.12.2009 waren im Saarland 11.694 Betriebe (+ 1,1%) eingetragen; diese setzen sich zusammen aus:

Land                                   Veränderung Bund 
•    7.687 Betriebe der Anlage A  :   -    7    (-  0,1%)        (-  0,1%)
•    1.726 Betriebe der Anlage B1:   +130    (+ 8,1%)        (+ 5,9%)
•    2.281 Betriebe der Anlage B2:   +    2    (+ 0,1%)        (-  0,9%)
 
HWK baut Förderung der Betriebe weiter aus 
Beratungen gehören zu den Kernaufgaben der HWK. Dies betrifft sowohl die Aus- und Weiterbildungsberatungen als auch die Unternehmensberatungen. Insgesamt waren es rund 14.600 Gespräche (+4,3%), die die Spezialisten der HWK zu den verschiedensten Themenstellungen führten. Zufrieden zeigte er sich auch mit der Veranstaltungsbilanz. Insgesamt nahmen 3.500 Handwerker an 57 HWK-Veranstaltungen im Saarland teil. Dabei standen u.a. Themen zur Unternehmensnachfolge, zu Finanzierungsfragen oder zu Umweltfragen ganz oben auf der Agenda.

Über 15.000 Teilnehmer in Qualifizierungsmaßnahmen
Im Zentrum des Qualifizierungsauftrages der HWK stehen die Gewerbeförderungs- und Technologiezentrale (GTZ) und die Akademie der HWK. Insgesamt wurden mit 15.207 Teilnehmern berufliche Bildungsmaßnahmen durchgeführt, die ebenfalls von Bund und Landesregierung gefördert wurden. 
Die Gesamtteilnehmerzahl an der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU) belief sich auf insgesamt 10.810 Teilnehmer. Über 4.000 Teilnehmer besuchten zudem die von der HWK angebotenen Fort- und Weiterbildungslehrgänge und Seminare. 
Die Prüfungsbilanz steigerte sich gegenüber den Vorjahre auf über 4.400 Zwischen-, Gesellen-, Abschluss- und Umschulungsprüfungen. Darüber hinaus absolvierten 305 Teilnehmer/innen erfolgreich ihre Meisterprüfung. An Neuzugängen legte die Saarländische Meister- und Technikerschule 2009 um 22 Prozent zu. Für Brenner zeigt die Qualifizierungsstatistik einmal mehr, dass die HWK gemeinsam mit den Innungen und Verbänden einen entscheidenden Beitrag zur Sicherung und Steigerung der Qualifikation im saarländischen Handwerk leistet.
Ausblick 2010
Für die Handwerkskammer des Saarlandes steht fest, dass 2010 die Betriebe vor eine große Herausforderung stellen wird. Präsident und Hauptgeschäftsführer gehen davon aus, dass die Genesung der Wirtschaft nur sehr langsam voranschreitet. So wird sich die wirtschaftliche Entwicklung der von der Krise besonders betroffenen handwerklichen Industriezulieferer aller Voraussicht nach nur allmählich bessern. Die Bauwirtschaft wird im Wesentlichen nur von öffentlichen Investitionen getragen. Entwarnung wird es auch beim KFZ-Handwerk nicht geben, da die Branche von den Nachwirkungen der Abwrackprämie eingeholt wird. Die positiven Impulse für die konsumorientierten Handwerke werden sich zudem abschwächen.
Vor diesem Hintergrund erwartet das Handwerk für 2010 beim Umsatz ein Minus von einem Prozent und hofft, dass die Beschäftigung zumindest auf dem Niveau des Jahres 2009 gehalten werden kann.