Handwerkskonjunktur hält Kurs


Den Ergebnissen der Herbstumfrage der Handwerkskammer des Saarlandes (HWK) unter rund 1.400 Handwerksbetrieben zufolge bewegt sich die Konjunktur weiter auf hohem Niveau.
Die Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage positiv. Der Geschäftsklimaindex setzt seine Aufwärtsbewegung fort. Zuversichtlich blicken die Unternehmen auf das vierte Quartal.

 

„Das saarländische Handwerk zeigt sich sehr zufrieden mit seiner Geschäftslage und setzt seinen dynamischen Kurs fort“, bringt HWK-Präsident Bernd Wegner die Ergebnisse der HWK-Herbstumfrage auf den Punkt. „Zuwächse bei Umsatz und Aufträgen sind sicherlich ein bestimmender Grund für diese Stimmungslage.“ Angesichts der bisherigen Entwicklung sowie der Prognosen der Betriebe rechnet HWK-Präsident Wegner für das Handwerk mit einem positiven Jahresabschluss.

 

Die aktuelle Geschäftslage

Insgesamt sind 90 Prozent der Betriebe mit ihrer Geschäftsentwicklung zufrieden. Der Anteil der Betriebe mit guter Geschäftslagebeurteilung liegt 40 Prozent (Herbst 2015: 40%). Schlecht liefen die Geschäfte nur in jedem zehnten Betrieb (Herbst 2015: 12 %).

 

Die Umfrageergebnisse hinsichtlich der Auftrags- und Umsatzentwicklung sind per Saldo positiv. 22 Prozent der Betriebe verzeichneten einen gestiegene Nachfrage (Herbst 2015: 26 %). Diesen standen 17 Prozent gegenüber, die einen Rückgang verbuchten (Herbst 2015: 19 %). Insgesamt berichten 83 Prozent der Betriebe von einem höheren oder stabilen Auftragsbestand.

 

Die wirtschaftliche Dynamik schlug sich auch bei den Umsätzen nieder. Ein Viertel (Herbst 2015: 26 %) der Befragten schlossen das dritte Quartal mit einem Umsatzplus ab. 60 Prozent der Handwerksbetriebe hatten so hohe Erlöse wie im Vorquartal (Herbst 2015: 54 %). Nur 15 Prozent (Herbst 2015: 20 %) beklagten rückläufige Umsatzzahlen.

 

Die Betriebsauslastung änderte sich im Vergleich zum Herbst 2015 nur geringfügig. Sie lag im Gesamthandwerk bei durchschnittlichen 80 Prozent und damit nur einen Prozentpunkt unter dem Herbstwert des Vorjahres. Bei 34 Prozent der Unternehmen waren die Kapazitäten zu mehr als 90 Prozent ausgelastet. Die Aufträge reichten im Schnitt für 7,3 Wochen (Herbst 2015: 7,7 Wochen).

 

Die Beschäftigung belebte sich. 17 Prozent (Herbst 2015: 18 %) der Betriebe gaben an, zusätzliches Personal eingestellt zu haben. Hingegen verminderten nur zehn Prozent und damit genau so viele wie im Herbst 2015 ihre Mitarbeiterzahl. 73 Prozent (Herbst 2015: 72 %) der Unternehmen änderten ihren Personaleinsatz nicht.

 

HWK-Geschäftsklimaindex

Dass die Konjunktur im Handwerk rund läuft, veranschaulicht am besten der HWK-Geschäftsklimaindex. Er bildet neben der aktuellen Geschäftslage auch die Zukunftserwartungen der Unternehmen ab. Das Stimmungsbarometer setzt seinen Aufwärtstrend fort und erreicht mit aktuell 89 Punkten den zuletzt im Frühjahr 2012 gemessenen Spitzenwert.

 

Branchenbetrachtung

Die Unternehmen waren in allen Handwerksbranchen zufrieden mit der Geschäftsentwicklung im dritten Quartal 2016. Überall lag der Anteil derer, die ihre Geschäftslage mit gut oder befriedigend beurteilten über 80 Prozent.

 

Besonders gut war die Stimmung im handwerklichen Bauhauptgewerbe, das sich über deutliche Auftrags- und Umsatzzuwächse freuen konnte. Das bestätigt auch Dachdeckermeister und Firmeninhaber Helmut Zimmer aus St. Wendel: „In diesem Jahr gab es keinen Leerlauf. Die Auftragsbücher waren stets voll. Wir profitieren immer noch von den anhaltend niedrigen Zinsen und der guten Nachfrage im Wohnungsbau. Viele Privatleute investieren heute eher in ihr Eigenheim als in alternative Geldanlagen.“

 

Auch im Ausbaugewerbe waren die Betriebe angesichts der Umsatz- und Nachfrageentwicklung guter Dinge. Positiv gestimmt waren auch die Handwerke des gewerblichen Bedarfs, die per Saldo ein Umsatzplus verzeichnen konnten. Die Inhaber der Kfz-Betriebe zeigten sich mit dem Verlauf ihrer Geschäfte angesichts der Erlöszuwächse ebenfalls zufrieden. Grundsätzlich positiv war die Stimmung in den konsumabhängigen Handwerken. Das Nahrungsmittelhandwerk und auch das Gesundheitshandwerk meldeten per Saldo gestiegene Umsätze.

 

Erwartungen für das vierte Quartal 2016

Die Unternehmen blicken optimistisch auf die kommenden Monate. Insgesamt erwarten 88 Prozent (Herbst 2015: 84 %) der Betriebe eine gleichbleibende oder gar bessere Geschäftsentwicklung. Die Prognose der Umsatzentwicklung fällt per Saldo ebenfalls positiv aus. 26 Prozent (Herbst 2015: 24 %) der Betriebe sind davon überzeugt, das letzte Quartal dieses Jahres mit einem Umsatzplus abschließen zu können. Nur 13 Prozent erwarten dagegen sinkende Umsätze (Herbst 2015: 18 %).

 

Die Nachfrage nach handwerklichen Leistungen dürfte wachsen. 21 Prozent der befragten Unternehmer (Herbst 2015: 20 %) erwarten eine Zunahme der Auftragszahlen, während 14 Prozent (Herbst 2015: 19 %) eine Nachfrageabschwächung befürchten. 65 Prozent sind überzeugt, dass sich die Zahl der Bestellungen konstant entwickeln wird.

 

Der Anteil der Betriebe, die ihre Mitarbeiterzahl unverändert lassen oder sogar zusätzliches Personal einstellen wollen, liegt bei 93 Prozent (Herbst 2015: 92 %).

 

Ausblick

Für das Jahr 2017 erwarten die Wirtschaftsforscher eine moderate Steigerung des Bruttoinlandsprodukts. „Wir sehen das Handwerk für die Zukunft gut aufgestellt“, sind Wegner und Dr. Klein-Zirbes überzeugt. „Wir dürfen unsere Augen aber nicht vor Unwägbarkeiten verschließen. Dazu gehören neben der Fachkräfteversorgung die noch nicht absehbaren Auswirkungen des Brexit. Zudem bleibt abzuwarten, wie das wirtschaftspolitische Programm des neugewählten US-Präsidenten Donald Trump für die kommenden Jahre aussehen wird. Mit Blick auf die am Außenhandel beteiligten Handwerksbranchen hoffen wir, dass die wirtschaftlichen Beziehungen zum Wohle unserer beiden Länder gezielt weiterentwickelt werden.“

 

Saarbrücken, 14. November 2016