HWK-Aktion „Ja zum Meister“


Die EU überprüft den deutschen Meisterbrief. Sie hinterfragt unter anderem seine Notwendigkeit für den Berufszugang und nimmt damit seine Bedeutung unter Beschuss.
Ministerpräsidentin unterstützt die Unterschriftenaktion

Die EU überprüft den deutschen Meisterbrief. Sie hinterfragt unter anderem seine Notwendigkeit für den Berufszugang und nimmt damit seine Bedeutung unter Beschuss. Aus diesem Grund setzt sich die Handwerkskammer des Saarlandes (HWK) gemeinsam mit anderen Handwerkskammern in einer einzigartigen Unterschriften-Aktion für den Erhalt des Meistertitels und die Wertigkeit der Meisterqualifikation ein. Mit Aktionskarten oder per E-Mail kann man mit seiner Stimme die Aktion „Ja zum Meister“ unterstützen (Näheres siehe unten). Bis Ende Februar 2015 will die HWK so viele Unterschriften wie nur möglich sammeln und diese im Anschluss in einer Zentralveranstaltung in Brüssel präsentieren. Damit soll sichtbar werden, dass auch das Saarland hinter dem Meisterzertifikat steht. 

HWK-Präsident Wegner begründet die Aktion: „Der Meisterbrief steht für Qualitätsarbeit und dient dem Verbraucherschutz. Er ist das Herzstück der Beruflichen Bildung. Damit das so bleibt - dafür kämpfen wir!“. In Deutschland sei dieser Zusammenhang in vielen Köpfen zwar präsent, aber noch nicht verankert. Auf EU-Ebene kenne man die Vorzüge dieser Qualifikation nur unzureichend und versuche bewusst das Ausbildungssystem zu schwächen, so der Präsident. 

Als Erste setzte Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer ihre Unterschrift auf eine Aktionskarte. Sie zeigte sich spontan von der Initiative „Ja zum Meister“ begeistert. „Die Meisterinnen und Meister gehören zur Elite der saarländischen Wirtschaft auch weil sie das Rüstzeug besitzen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen“, so die Ministerpräsidentin. Gerade in Bezug auf das wichtige Thema Unternehmensnachfolge seien Meister mehr denn je gefragt.

HWK-Hauptgeschäftsführer Georg Brenner unterstrich im Zusammenhang mit der Aktion die Ausbildungsleistung im Handwerk: „Fakt ist, dass 95 Prozent unserer Lehrlinge in den zulassungspflichtigen Berufen ausgebildet werden. Wenn wir die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland gering halten wollen, darf deshalb am Meistertitel in keiner Form gerüttelt werden!“ Für die Aktion benötige man jetzt die Unterstützung aus der Fläche seitens Mitglieder, Politik und Bevölkerung. Brenner: „Es reicht nicht mehr nur über die Bedeutung des Meistertitels zu reden – wir müssen diese Unterstützung deutlich machen.“

Mitmachen kann jeder
Bis Ende Februar 2015 sollen möglichst viele Stimmen gesammelt werden, die für die Meisterqualifikation Partei ergreifen und ihr „Ja zum Meister“ schriftlich abgeben. Dies kann einmal per E-Mail erfolgen. In diesem Fall einfach eine E-Mail mit dem Betreff „Ja zum Meister“ sowie Name und vollständiger Adresse an d.henle@hwk-saarland.de richten. Für jeden vollständigen Namen und Adresse übergibt die HWK eine Aktionskarte an die EU. Die Aktionskarten können aber auch direkt bei der Handwerkskammer an der Zentrale abgeholt werden.

Hintergrundinformation:
Nach 2004 überprüft die EU erneut den deutschen Meisterbrief und hinterfragt seine Notwendigkeit, beispielsweise als Voraussetzungsmerkmal für die Gründung von Betrieben. Die Novelle der Handwerksordnung hatte damals die Folge, dass die Meistervoraussetzung in 53 Gewerken abgeschafft wurde, beispielsweise bei den Fliesenlegern. Die EU wollte mit diesem Vorgehen mehr Mobilität innerhalb der Mitgliederstaaten schaffen und Neugründungen von Betrieben fördern. Die Folgen waren: 

1.    Die Zahl der Betriebsgründungen stieg im Zuge der Reform zwar tatsächlich an, allerdings nicht nachhaltig. 60 Prozent der Betriebe waren nach fünf Jahren nicht mehr am Markt aktiv.

2.    Der Großteil der Betriebe waren Einzelunternehmer ohne Ausbildungsleistung. Sie schufen keine Arbeitsplätze und boten Jugendlichen keine Zukunft.

3.    Die Zahl der Auszubildenden in den Gewerken ohne Meister geht gegen Null.