„Dynamisch, zeitgemäß und ideenreich“


Carmen Lehnert-Schmeer
Interview mit Carmen Lehnert-Schmeer, der Vorsitzenden des Vereins „Frau & Handwerk“
Carmen Lehnert-Schmeer (57) wurde kürzlich zum dritten Mal zur Vorsitzenden des Vereins „Frau & Handwerk“ gewählt. ie arbeitet als kaufmännische Leiterin im Familienbetrieb Elektro Schmeer in Quierschied und in Teilzeit in einem saarländischen Forschungszentrum auf dem Gelände der Saar-Universität, wo sie für das Vertragswesen (Patente, Lizenzen) zuständig ist. „Frau & Handwerk“ ist ein gemeinnütziger Verein mit rund 100 Mitgliedern. Das DHB sprach mit Carmen Lehnert-Schmeer über ihr Engagement.

 
DHB: Frau Lehnert-Schmeer, Sie sind zum dritten Mal zur Vorsitzenden des Vereins „Frau & Handwerk“ gewählt worden – herzlichen Glückwunsch! Welche Aufgaben und Ziele hat der Verein?
 
Lehnert-Schmeer: Zunächst Danke an alle Mitglieder für die einstimmige Wiederwahl. Ich freue mich sehr über diesen Vertrauensbeweis. Satzungszweck unseres Vereins sind die Förderung und Unterstützung der Aus- und Weiterbildung der im Handwerk tätigen Unternehmerfrauen nach rechtlichen, betriebswirtschaftlichen, wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Gesichtspunkten, die Durchführung von Vortrags-, Diskussions- und Seminarveranstaltungen zu Fragen der Unternehmensführung, der Persönlichkeitsbildung und der Handwerks- und Wirtschaftspolitik. Das klingt trocken, aber in der Praxis bedeutet das viel Spaß. Freude und das Netzwerken kommen keineswegs zu kurz.

 
DHB: Was haben Sie sich für Ihre neue Amtszeit besonders vorgenommen?
 
Lehnert-Schmeer: Wichtiges Ziel ist die Stärkung der Unternehmerfrauen im Handwerk im Innen- und Außenraum. Als Innenraum bezeichne ich die Stellung im Betrieb. Hier bieten wir als Rüstzeug Weiterbildung und Kompetenzerweiterung an. Als Stärkung im Außenraum sehe vor allem die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Die mitarbeitende Ehefrau muss vom Image „Frau vom Chef“ weg und hin zu „Kaufmännische Leiterin“. Für die Unternehmerinnen als Betriebsführerinnen ist das weit selbstverständlicher. Präsenz im öffentlichen Raum dient der Imagepflege. In der Handwerkskammer hat Frau und Handwerk einen Sitz in der Vollversammlung. Das hat Außenwirkung. Der übergeordnete Bundesverband der Unternehmerfrauen im Handwerk übernimmt die überregionale und politische Ebene. Dauerziel ist die Gewinnung neuer Mitglieder.

 
DHB: „Frau & Handwerk“ besteht seit über dreißig Jahren. Welche Veränderungen ergaben sich?

Lehnert-Schmeer: „Frau & Handwerk“ entstand als Arbeitskreis aus einer Gruppe von Betriebswirtinnen, die mehr für ihre Arbeit wissen wollten und sich gegenseitig unterstützten. Ein Fokus war in der Vergangenheit die soziale Absicherung der mitarbeitenden Unternehmerfrau. Da tat Aufklärung not. Ich denke, das hat sich gewandelt. Qualifikation wurde zentrales Thema. Nur Qualifikation bringt Gleichberechtigung und weicht so alte Rollenbilder auf. Weiterbildungsangebote gibt es mittlerweile zusehends. Wir schneiden unsere Themen speziell auf die Frau im Betrieb zu. Eine stetige Herausforderung ist die Bündelung der Erfordernisse der verschiedenen Altersgruppen. Wir möchten für alle ein ausgewogenes Programm bieten. Die Bedürfnisse der langjährigen Mitglieder decken sich nicht immer mit den Erwartungen der jüngeren. Aber von der Vielfältigkeit profitieren alle. Der Wertewandel der Arbeitswelt erfasst auch das Handwerk – und das Wissen um solche Softskills wird häufig den Frauen überlassen. Der aktuelle Bedarf ergibt sich häufig aus Anregungen der Mitglieder. Aktuell beginnt ein Umbruch. Netzwerken wird immer wichtiger. Dem tragen wir Rechnung.

 
DHB: Welche Vorteile bietet eine Mitgliedschaft bei „Frau & Handwerk“?

Lehnert-Schmeer: Bei uns geht es um mehr als um Weiterentwicklung und Weiterbildung mit hohem Praxisbezug, die speziell auf Frauen sowie kleine und mittlere Unternehmen zugeschnitten sind. Wissen und Kompetenz sind unverzichtbar. Hier trifft man Unternehmerinnen, mitarbeitende Unternehmerfrauen, Neu- und Quereinsteigerinnen zum Erfahrungsaustausch. Ganz konkret: Hier netzwerken Frauen rund ums Handwerk, deren Leben ähnlich aussieht und die Sorgen, Nöte und auch Erfolgserlebnisse nachvollziehen können. Wir haben Spaß zusammen und unterstützen uns gegenseitig. Wir sind dynamisch, zeitgemäß und ideenreich!

 
DHB: Was wünschen Sie sich als Vorsitzende von „Frau & Handwerk“ für die Zukunft?
 
Lehnert-Schmeer: Ich habe zwei Wünsche: Einmal, dass noch viel mehr Frauen Mitglied bei uns werden. Angenommen, in den fast 12.000 Handwerksbetrieben im Saarland sind zehn Prozent Frauen in leitender Funktion tätig. Wenn nur die Hälfte dieser Frauen Mitglied bei uns würden – wunderbar. Gäste sind immer willkommen. Reinschnuppern ausdrücklich erwünscht. Ich wünsche mir, dass die verantwortungsvollen, engagierten und fleißigen Frauen im Handwerk jenes Selbstbewusstsein an den Tag legen, das ihnen gebührt und dass ihre Leistungen anerkannt werden.

 

Weitere Informationen:

www.frau-handwerk.de