Investition in die Ausbildung stärkt Wettbewerbsfähigkeit


Der Bedarf an Fachkräften und Gründern im Handwerk erfordert eine nachhaltige Ausbildung
Der Bedarf an Fachkräften und Gründern im Handwerk erfordert eine nachhaltige Ausbildung

Für HWK-Präsident Berng Wegner ist Ausbildung eine Grundvoraussetzung dafür, die Zukunft des eigenen Betriebes nachhaltig zu sichern. Ihren Mitgliedsbetrieben steht die HWK beratend zur Seite.

DHB: In den letzten Jahren hatten viele Betriebe Schwierigkeiten, ihre freien Ausbildungsstellen zu besetzen. Woran liegt das und was kann man dagegen tun?

Wegner: Fest steht: Der demografische Wandel zeigt Wirkung. Fest steht aber auch, dass wir weiter mit der anhaltenden Trend der Akademisierung zu kämpfen haben. Leistungsstarke Schulabsolventen werden von vielen Seiten umworben. Der vielzitierte ‚Kampf um Talente‘ ist im vollen Gange. Hinzu kommen die steigenden Anforderungen bei einer handwerklichen Ausbildung. Das Handwerk braucht schlaue Köpfe. Auch um den hohen Bedarf an Gründern und Nachfolgern in den nächs- ten Jahren zu decken. Daher ist es wichtig, dass wir uns bei der Ansprache möglicher Auszubildender breit aufstellen. Dazu zählt auch, dass die HWK seit einigen Monaten einen Projektmitarbeiter beschäftigt, der gezielt Studenten anspricht und sie auf die Karrieremöglichkeiten im Handwerk hinweist. Mit gutem Erfolg. Einige Handwerksunternehmen setzen beispielsweise gezielt auf die Kooperation mit Schulen. So mancher Bewerber ist aus dieser Berufsorientierung gewonnen worden.

DHB: Was ist mit den Schulabgängern, die keine Lehrstelle fi nden, weil sie z.B. ein sehr schlechtes Zeugnis haben? Müssen Betriebe da künftig mehr Förderung und Hilfe für solche Azubis leisten, einfach auch weil sie keine große Auswahl mehr haben?

Wegner: Zunächst ist festzuhalten, dass es Unterstützungsleistung in Form assistierter Ausbildung oder ausbildungsbegleitende Hilfe durch die Bundesagentur für Arbeit oder durch das Förderprogramm „Ausbildung jetzt“ des Wirtschaftsministeriums gibt. Wir sind für diese Hilfen dankbar. Es wäre für handwerkliche KMU besonders aufwendig, Hilfestellung zu geben im persönlichen, sozialen oder therapeutischen Bereich. Genau hier greifen diese Förderprogramme ja ein und unterstützen beispielsweise durch geschulte Sozialpädagogen. Und was unsere Betriebe mit ihren familiären Strukturen nicht mehr auffangen können, ist ohne fachliche Unterstützung nicht zu bewältigen. Mir ist aber auch wichtig, darauf hinzuweisen, dass es meist nicht Schulnoten oder Lernprobleme sind, die den Ausbildungserfolg gefährden, sondern Defizite im persönlichen und sozialen Bereich.

DHB: Warum sollen Betriebe in die Ausbildung investieren?

Wegner: Die Investition in die Ausbildung stärkt die Wettbewerbsfähigkeit. Kompetentes Personal ist dafür eine Grundvoraussetzung. Ausbildung sichert den Unternehmen qualifizierte Fachkräfte mit der Befähigung hochwertige Produkte herzustellen und Dienstleistungen zu erbringen. Deshalb ist eine nachhaltige Ausbildung auch immer eine Investition in die Zukunft des eigenen Betriebes.

DHB: Manche Betriebe stellen fest sich, dass viele Bewerber für den Arbeitsmarkt nicht geeignet sind. Wie kann man denen helfen?

Wegner: Tatsächlich ist es mitunter schwierig den perfekten Kandidaten für einen Ausbildungsplatz zu finden. Das sollte aber keinen Betrieb davon abhalten, nicht mehr ausbilden zu wollen. Im Gegenteil. Die Ausbildung bietet die Chance, junge Menschen langfristig nach den gewünschten unternehmerischen Anforderungen zu „formen“. Das bedeutet natürlich in den ersten beiden Jahren der Ausbildung für den Unternehmer Investition an Zeit und mitunter auch Geduld. Eine Investition, die sich aber bezahlt macht. Hier helfen die Ausbildungsberater und -vermittler unserer Handwerkskammer gerne, passende Bewerber zu finden.

DHB: Was können Unternehmen tun, um Bewerber für sich zu interessieren?

Wegner: Es wird immer wichtiger, wie das Unternehmen sich selbst darstellt. Eine gute Visitenkarte zieht auch gute Bewerber an. Unternehmer müssen mehr denn je ihr Unternehmen als Ausbildungsbetrieb attraktiv nach außen darstellen. Und das beginnt schon bei der entsprechend gestalteten Homepage. Wir müssen konstatieren: In den letzten Jahren hat ein Perspektivwechsel stattgefunden. Nicht die Unternehmen beurteilen die Bewerber. Die Bewerber beurteilen die Unternehmen und entscheiden, ob sie in ihr Wertesystem passen. Darauf müssen wir uns einstellen, wollen wir den Kampf um gut ausgebildete Fachkräfte nicht verlieren.

DHB: Viele führen als Argument an, dass die Azubis das Unternehmen später sowieso verlassen. Warum also ausbilden?

Wegner: Natürlich gibt es hier keine Garantien. Und die Wettbewerbssituation ist im Saarland ausgeprägt. Junge Menschen wertschätzen aber das Vertrauen und die Investition, die Unternehmen in ihre Person. In der Regel werden Betriebe durch eine fachlich gute Ausbildung mit sehr loyalen Mitarbeitern belohnt. Hier sind aber auch die Unternehmer gefordert, um Mit- arbeiter langfristig an ihre Unternehmen zu binden. Auch hier stellen wir entsprechende Beratungsangebote bereit.