Konjunkturmotor läuft im Handwerk noch rund


Die Ergebnisse der Herbstumfrage der Handwerkskammer des Saarlandes (HWK) unter mehr als 9.000 Betrieben belegen einen anhaltenden Optimismus.

Die Ergebnisse der Herbstumfrage der Handwerkskammer des Saarlandes (HWK) unter mehr als 9.000 Betrieben belegen einen anhaltenden Optimismus. Die Geschäftslage wird sehr positiv beurteilt. Hohe Kapazitätsauslastung, gestiegene Auftragsreichweiten, eine weiter verbesserte Umsatzsituation sowie eine stabile Beschäftigungsentwicklung kennzeichnen insgesamt das dritte Quartal. Die Betriebe blicken zuversichtlich auf die kommenden Monate.

„Das saarländische Handwerk hat entgegen dem gesamtwirtschaftlichen Konjunkturtrend seine Dynamik beibehalten“, bringt HWK-Präsident Bernd Wegner die Ergebnisse der HWK-Herbstumfrage auf den Punkt. Wichtige Indikatoren hätten sich positiv entwickelt und seien der Grund dafür, dass das Handwerk optimistisch nach vorne schaue.

Die aktuelle Geschäftslage

Die Betriebsinhaber bewerteten ihre Geschäftsentwicklung im Herbst deutlich besser als im Herbst des Vorjahres und sie hat es auch im Vergleich zum Frühjahr dieses Jahres leicht verbessert. Insgesamt 87 Prozent der befragten Betriebe zeigten sich mit der Entwicklung ihrer Geschäfte zufrieden.

Der Anteil der Betriebe mit guter Geschäftslagebeurteilung verbesserte sich um 2 Prozentpunkte auf nunmehr 38 Prozent. Demgegenüber verringerte sich die Anzahl der Betriebe, für die die Geschäfte schlechter liefen von 17 auf jetzt 13 Prozent. Der Stimmungsindikator ist per Saldo positiv.

Die Umfrageergebnisse bezüglich der Auftrags- und Umsatzentwicklung sind per Saldo besser als vor einem Jahr. Die Nachfrage nach handwerklichen Leistungen nahm leicht zu. So stieg der Anteil der Betriebe, die einen gestiegenen Auftragsbestand verbuchen, von 20,4 auf nunmehr 24,7 Prozent. Demgegenüber verzeichneten lediglich 23,4 Prozent (Herbst 2013: 22,3 %) einen Rückgang an Aufträgen. Insgesamt berichten rund 77 Prozent der Betriebe von einer besseren oder stabilen Auftragslage.

Die wirtschaftliche Dynamik schlug sich auch bei den Umsätzen nieder. 25,7 Prozent der Befragten schlossen das dritte Quartal mit einem Umsatzplus ab. Das ist gegenüber dem Herbst 2013 eine Steigerung um fast 6 Prozentpunkte. Dass jeder zweite Handwerksbetrieb gleich hohe Umsätze wie im Vorquartal verbuchen konnte, zeigt ebenfalls, dass von einer Abkühlung im Handwerk nicht gesprochen werden kann. In Bezug auf rückläufige Umsatzzahlen lag der Anteil mit rund 24 Prozent der Befragten gegenüber der Herbstumfrage 2013 auf einem stabilen Niveau.

Die Betriebsauslastung lag im Gesamthandwerk bei durchschnittlichen 79 Prozent. Erfreulich ist die Tatsache, dass der Anteil der Betriebe, die eine Kapazitätsauslastung von mehr als 90 Prozent aufweisen, um 3 Prozentpunkte auf jetzt 32 Prozent gegenüber 2013 gestiegen ist.

Auch die Auftragsreichweite nahm weiter zu. Die Aufträge reichten im Schnitt für 8,2 Wochen. Das entspricht einem Zuwachs um 1,1 Wochen gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Die Beschäftigungsentwicklung war stabil. So veränderten rund 74 Prozent (Herbst 2013: rund 76 %) der Unternehmen ihren Personaleinsatz nicht. Jeweils nahezu 13 Prozent der Betriebe stellten zusätzliches Personal ein bzw. verminderten ihre Mitarbeiterzahl.

HWK-Geschäftsklimaindex

Dass von einer Abkühlung im Handwerk aktuell noch nichts zu spüren ist, veranschaulicht am besten der HWK-Geschäftsklimaindex. Er bildet neben der aktuellen Geschäftslage auch die Zukunftserwartungen der Unterneh-men ab. Er stabilisierte sich auf hohem Niveau und liegt mit 84 Punkten zwei Punkte über dem Herbstwert des Vorjahres. Und das ist immer noch der zweithöchste Wert, der im Rückblick der letzten Jahre für den Herbst ermittelt wurde.

Branchenbetrachtung

In allen Handwerksbranchen waren die Unternehmen im dritten Quartal 2014 mehrheitlich mit der Geschäftsentwicklung zufrieden. Der Anteil derer, die ihre Geschäftslage mit gut oder befriedigend beurteilten lag überall bei über 80 Prozent. Dies steht in engem Zusammenhang mit der durchaus dynamischen Umsatz- und Nachfrageentwicklung.

In den Bauhandwerken war die Stimmung gut. Besonderen Grund zur Freude hatten die Betriebe des Ausbauhandwerks denn bei ihnen legten, im Gegensatz zum Bauhauptgewerbe, die Umsätze und Auftragsbestände per Saldo zu.

Überwiegend guter Dinge waren auch die Handwerke des gewerblichen Bedarfs, die eine stabile Umsatz- und nahezu konstante Auftragsentwicklung verzeichneten. Angesichts einer deutlich besseren Umsatzentwicklung zeigten sich die Kfz-Betriebe positiv gestimmt.

In den vom Konsum abhängigen Handwerken war die Entwicklung ebenfalls aufwärtsgerichtet. Besonders zufrieden waren die Unternehmen des Nahrungsmittelhandwerks, die per Saldo Umsatz- und Nachfragezuwächse verbuchten. Aber auch bei den personenbezogenen Dienstleistungsgewerben (z.B. Friseure, Fotografen, Kosmetiker) verbesserte sich die wirtschaftliche Entwicklung.

Bei vielen Betrieben des Gesundheitshandwerks führte die verbesserte Umsatz- und Nachfragesituation zu einem deutlichen Stimmungsaufschwung.

Erwartungen im vierten Quartal

Die Unternehmen blicken zuversichtlich auf die kommenden Monate. Insgesamt erwarten 82,4 Prozent (Herbst 2013: 81,9 %) der Betriebe eine gleichbleibende oder gar bessere Geschäftsentwicklung. Der Saldo aus Optimisten und Pessimisten ist positiv. Während 22,7 Prozent (Herbst 2013: 21,4 %) guter Dinge sind, befürchten 17,6 Prozent der Betriebe (Herbst 2013: 18,1 %) eine Eintrübung.

Die Prognose der Umsatzentwicklung fällt per Saldo positiv aus. Fast ein Viertel (Herbst 2013: 26,1 %) der Betriebe ist davon überzeugt, das letzte Quartal dieses Jahres mit einem Umsatzplus abschließen zu können. Nur 19,4 Prozent erwarten sinkende Umsätze (Herbst 2013: 21,3 %).

Die Nachfrage nach handwerklichen Leistungen dürfte stabil bleiben. Der Anteil der Befragten, die eine Zunahme der Auftragszahlen erwarten, ist mit annähernd 22 Prozent nahezu gleich groß wie der, die eine Nachfrageabschwächung befürchten. 56 Prozent sind davon überzeugt, dass sich die Zahl der Bestellungen konstant entwickeln wird.

Die Mehrzahl der Betriebe (82,1 Prozent) will ihre Mitarbeiterzahl nicht verändern. Dennoch deutet sich bei der Beschäftigungsentwicklung eine leichte Abschwächung an. Rund 8 Prozent der Befragten (Herbst 2013: 8,8 %) beabsichtigen zusätzliches Personal einzustellen. Demgegenüber zieht jeder zehnte Befragte (Herbst 2013: 8,4 %) in Betracht, die Zahl der Beschäftigten zu reduzieren.

Ausblick

Angesichts der bisherigen Entwicklung dürfte das Handwerk das Jahr 2014 positiv beschließen. Die HWK rechnet mit einem Umsatzplus bis zu 2 Prozent bei einem nur geringen Beschäftigungsrückgang.

2015 wird für die Wirtschaft generell zur Herausforderung werden, denn die Wirtschaftsexperten rechnen nur mit einem Zuwachs des Bruttoinlandprodukts von rund 1,2 Prozent. „Wir sehen das Handwerk aber für diese Herausforderung gut aufgestellt“, ist Wegner überzeugt. Allerdings sieht er auch Risiken, wie beispielsweise dem sich verschärfenden Fachkräfteengpass oder der schleppenden Konjunkturentwicklung im Euroraum.