Konjunkturmotor läuft rund


Die Ergebnisse der Herbstumfrage der Handwerkskammer des Saarlandes (HWK) unter 1.500 Handwerksbetrieben belegen einen anhaltenden Optimismus.
Die Ergebnisse der Herbstumfrage der Handwerkskammer des Saarlandes (HWK) unter 1.500 Handwerksbetrieben belegen einen anhaltenden Optimismus. 

Die Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage positiv. Gestiegene Kapazitätsauslastung, Zuwächse bei Umsatz und Aufträgen sowie eine Beschäftigungsbelebung kennzeichnen insgesamt das dritte Quartal. Der Geschäftsklimaindex hält sich auf hohem Niveau. 

„Das saarländische Handwerk befindet sich in einem goldenen Konjunkturherbst. Es hat seine Dynamik gegenüber dem Vorjahr  weiter ausbauen können. Kurz, der Konjunkturmotor läuft rund“, bringt HWK-Präsident Bernd Weg¬ner die Ergebnisse der HWK-Herbstumfrage auf den Punkt. Eine stabile gesamtwirtschaftliche Lage, die gute Verbraucherstimmung und die anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnraum und Sanierungen ließen die Nachfrage nach Handwerksprodukten und -dienstleistungen im Vergleich zum guten Vorjahr noch einmal steigen, so Wegner. Dies sei der Grund für die auf breiter Front positive Stimmungslage im Handwerk. 

Angesichts eines prognostizierten Wirtschaftswachstums von 1,8 Prozent, und guter Rahmenbedingungen wie niedrige Zinssätze, gute Arbeitsmarktentwicklung und sinkende Ölpreise, rechnet HWK-Hauptgeschäftsführer Dr. Arnd Klein-Zirbes zudem für das Handwerk mit einem positiven Jahresabschluss: „Das Handwerk geht zuversichtlich in die nächsten Monate. Wir rechnen mit einem Umsatzplus von rund zwei Prozent zum Jahresende.“

Die aktuelle Geschäftslage
Insgesamt sind 88 Prozent der Betriebe mit ihrer Geschäftsentwicklung zufrieden. Das ist der im 10-Jahresvergleich zweithöchste erreichte Wert. Der Anteil der Betriebe mit guter Geschäftslagebeurteilung steigt von 38 auf 40 Prozent. Demgegenüber ist der Anteil der Unternehmen, die eine Verschlechterung verzeichnen, um zwei Prozentpunkte auf 12 Prozent gefallen. 

Die Umfrageergebnisse bezüglich der Auftrags- und Umsatzentwicklung haben sich per Saldo gegenüber dem Vorjahreszeitraum verbessert. Die Nachfrage nach handwerklichen Leistungen nimmt per Saldo zu. So steigt der Anteil der Betriebe mit wachsendem Auftragsbestand auf 26 Prozent (Herbst 2014: 25 %). Der Anteil der Unternehmen, die hingegen einen Rückgang der Aufträge zu verzeichnen haben, ist deutlich zurückgegangen. Während 2014 noch 23 Prozent Rückgänge beklagten, sind es in diesem Herbst nur 19 Prozent. Insgesamt berichten 81 Prozent der Betriebe von einem höheren oder stabilen Auftragsbestand. 
Die wirtschaftliche Dynamik schlägt sich auch bei den Umsätzen nieder. 26 Prozent (Herbst 2014: 26 %) der Befragten haben das dritte Quartal mit einem Umsatzplus abgeschlossen. 54 Prozent verbuchen so hohe Umsätze wie im Vorquartal. Nur jeder Fünfte (Herbst 2014: 24 %) konstatiert rückläufige Umsatzzahlen.

Die Betriebsauslastung legt im Vergleich zum Herbst 2014 nochmals zu und erreicht im Gesamthandwerk durchschnittlich 81 Prozent. Erfreulich ist die Tatsache, dass der Anteil der Unternehmen mit einer Kapazitätsauslastung von mehr als 90 Prozent jetzt bei 35 Prozent liegt und damit gegenüber dem Vorjahreszeitraum um drei Prozentpunkte gewachsen ist. Die Aufträge reichen im Schnitt für 7,7 Wochen und bewegen sich damit nur 0,5 Wochen unter dem Herbstniveau 2014.

Eine Belebung zeichnet sich in der Beschäftigungsentwicklung ab. Ge¬gen-über dem Herbst 2014 mit 13 Prozent haben in diesem Herbst 18 Prozent der Unternehmen zusätzliches Personal eingestellt. Hingegen hat nur jeder Zehnte (Herbst 2014: 13 %) seine Mitarbeiterzahl vermindert. 72 Prozent (Herbst 2014: 74 %) der Unternehmen lassen ihren Personaleinsatz unverändert. 

HWK-Geschäftsklimaindex
Dass die Konjunktur im Handwerk rund läuft, veranschaulicht am besten der HWK-Geschäftsklimaindex. Er bildet neben der aktuellen Geschäftslage auch die Zukunftserwartungen der Unternehmen ab. Er liegt mit 86 Punkten zwei Punkte über dem Herbstwert des Vorjahres. Und das ist der höchste Wert, der im Rückblick der letzten zehn Jahre für den Herbst ermittelt wurde.

Branchenbetrachtung
In allen Handwerksbranchen sind die Unternehmen mit der Geschäftsentwicklung im dritten Quartal 2015 überwiegend zufrieden. 
Das Baugewerbe profitiert von steigenden Wohnungsbauaktivitäten und Investitionen in die Sanierung. Besonders im Ausbaugewerbe sorgen Nachfrage- und Umsatzzuwächse für eine im Vergleich aller Handwerksbranchen ausgezeichnete Stimmung. 93 Prozent der Betriebe waren mit ihrer Geschäftslage zufrieden. Dies bestätigt auch Andrea Domjahn, geschäftsführende Gesellschafterin der Firma Eldom Elektro Domjahn GmbH aus Saarbrücken: „Energieeffizienz und kreatives Lichtdesign in LED-Technik stehen bei unseren Kunden hoch im Kurs. Aber auch der zunehmende Trend zur Digitalisierung und vernetzten Haustechnik führen zu einer guten Auftragslage.“ 

Zufrieden mit dem Geschäftsverlauf sind auch die Betriebe im Bauhauptgewerbe, deren Auftragsbestände insgesamt zugenommen haben. „Wir profitieren derzeit von den anhaltend niedrigen Zinsen und der guten Nachfrage im Wohnungsbau. Viele Privatleute investieren heute eher in ihr Eigenheim als in alternative Geldanlagen“, erklärt Bauunternehmer Günter Heitz, Inhaber der Firma Norbert Heitz und Sohn GmbH aus Rehlingen-Siersburg. Nicht zuletzt wegen des breit aufgestellten Portfolios des Unternehmens seien die Auftragsbücher derzeit gut gefüllt. 

Überwiegend positiv gestimmt sind die Handwerke des gewerblichen Bedarfs, die per Saldo kaum Umsatzverluste verzeichnen.
Gute Stimmung auch bei den Kfz-Betrieben. Triebfeder dieser Entwicklung ist vor allem die Belebung des Neu- und Gebrauchtwagenmarktes, die  wesentlich zur positiven Umsatz- und Auftragslage beigetragen hat. 

In den vom Konsum abhängigen Handwerken ist die Entwicklung im dritten Quartal ebenfalls aufwärtsgerichtet. Besonders zufrieden sind die Unternehmen des Nahrungsmittelhandwerks, die per Saldo Umsatz- und Nachfragezuwächse verbucht haben. Die gestiegene Nachfrage nach hochwertigen regionalen Lebensmitteln hat zu dieser Entwicklung mit beigetragen. 

Bei den personenbezogenen Dienstleistungsgewerben (z.B. Friseure, Fotografen, Kosmetiker) verbessert sich die wirtschaftliche Entwicklung ebenfalls. Sie verzeichnen per Saldo leichte Umsatzzuwächse. Die Betriebe des Gesundheitshandwerks sind mehrheitlich zufrieden, wenngleich das Stimmungsbild im Vergleich zum vergangenen Herbst etwas gedämpfter ausfällt. Die Umsätze sind per Saldo rückläufig.

Erwartungen für das vierte Quartal 2015
Die Unternehmen blicken zuversichtlich auf die kommenden Monate. Insgesamt erwarten 84 Prozent (Herbst 2014: 82 %) der Betriebe eine gleichbleibende oder gar bessere Geschäftsentwicklung. Die Prognose der Umsatzentwicklung fällt per Saldo ebenfalls positiv aus. 24 Prozent (Herbst 2014:  25 %) der Betriebe sind davon überzeugt, das letzte Quartal dieses Jahres mit einem Umsatzplus abschließen zu können. Nur 18 Prozent  erwarten dagegen sinkende Umsätze (Herbst 2014: 19 %).

Die Nachfrage nach handwerklichen Leistungen dürfte stabil bleiben. Jeder fünfte Unternehmer (Herbst 2014: 22 %) erwartet eine Zunahme der Auftragszahlen, während 19 Prozent (Herbst 2014: 22 %) eine Nachfrageabschwächung befürchten. 61 Prozent sind überzeugt, dass die Zahl der Bestellungen sich konstant entwickeln wird.
Die Zahl der Betriebe, die ihre Mitarbeiterzahl unverändert lassen oder sogar zusätzliches Personal einstellen wollen, ist mit 92 Prozent um zwei Prozentpunkte gegenüber 2014 gestiegen. 

Ausblick
Trotz der schwächelnden Weltkonjunktur erwarten die führenden Forschungsinstitute eine robuste Wirtschaft in Deutschland. Für das Jahr 2016 wird eine Veränderung des Bruttoinlandsprodukts gegenüber 2015 von 1,9 Prozent prognostiziert. „Wir sehen das Handwerk für diese Herausforderung gut aufgestellt“, sind Wegner und Dr. Klein-Zirbes überzeugt. Allerdings sehen sie auch Risiken, wie beispielsweise den sich verschärfenden Fachkräfteengpass oder den zähen Breitbandausbau, der besonders Unternehmen auf dem Land einbremst.