Mädchen in Männerberufen


Junge Menschen orientieren sich noch immer an traditionellen Geschlechterrollen
Junge Menschen orientieren sich noch immer an traditionellen Geschlechterrollen

Noch immer konzentrieren sich viele junge Frauen auf eine Ausbildung in nur wenigen Berufen. Die beliebtesten Berufe sind: Kauffrau-Büromanagement, Verkäuferin, Kauffrau im Einzelhandel, Medizinische Fachangestellte, Industriekauffrau, Friseurin, Bankkauffrau, Gestalterin für visuelles Marketing sowie Verwaltungsfachangestellte – Kommunalverwaltung.

Bei der Berufswahl orientieren sich die jungen Menschen noch immer an traditionellen Geschlechterrollen, die in ihrem Umfeld vorgelebt und auch zugewiesen werden. Somit sind technische Berufe eher den Männern zugeordnet und gesellschaftlich akzeptiert, während soziale und pflegerische Berufe eher bei den Frauen verortet sind. Zwar nehmen insbesondere bei Mädchen Abweichungen von den Geschlechterrollen zu, dennoch bleibt die „Top Ten“ der beliebtesten Ausbildungsberufe bei Mädchen und Jungen seit vielen Jahren gleich.

„Mir ist es wichtig, Jugendliche mit Berufen bekannt zu machen, die ihnen neue Wege eröffnen. Unsere Berufsberaterinnen und -berater erörtern im persönlichen Gespräch gemeinsam mit den jungen Frauen und Männern deren Neigungen, Interessen und Fähigkeiten. Stellt sich dabei heraus, dass die Mädchen an einem technischen Beruf interessiert sind, ermutigen die Beraterinnen und Berater sie diesen Weg zu gehen“, so Heidrun Schulz, Chefin der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit Rheinland-Pfalz Saarland.

Der Anteil weiblicher Auszubildender beträgt im saarländischen Handwerk derzeit 21,6 Prozent. Darin sind Berufe wie Friseure, Zahntechniker, Lebensmittelfachverkäufer usw. enthalten. „Das soziale Umfeld hat einen entscheidenden Einfluss auf die Berufswahl junger Mädchen. Leider prägen aber oft alte Klischees diese Umfelder. Hier müssen wir zum Beispiel im Rahmen unserer Öffentlichkeitsarbeit gegensteuern. Die Berufswahl sollte prinzipiell nicht nach Geschlecht, sondern nach Neigungen und Interessen getroffen werden. Das Handwerk bietet ein Spektrum von rund 130 Berufen, deren Anforderungen gleichermaßen von Frauen und Männern erfüllt werden können“, betonte HWK-Hauptgeschäftsführer Dr. Arnd Klein-Zirbes.

Maler- und Lackierermeisterin Jana Sablowski schilderte aus ihrer Sicht ihre Wahl für einen sogenannten Männerberuf. Der Wunsch einmal Fahrzeuglackiererin zu werden, hatte sie schon in jungen Jahren. Trotz einiger Widerstände habe sie diese Entscheidung nie bereut. Wichtig sei ein gesundes Selbstbewusstsein aber auch Durchhaltevermögen. Heute arbeitet sie als Ausbilderin bei der Maler- und Lackiererinnung des Saarlandes. 

Zu einem Umdenken bei der Berufswahl trägt unter anderem der Girls` Day bei. Seit dem Start der Aktion im Jahr 2001 haben bundesweit etwa 1,6 Millionen Mädchen teilgenommen und davon profitiert. An diesem Tag erleben die Teilnehmerinnen wie spannend die Arbeit in den Bereichen Technik, Informatik, Handwerk, Ingenieur- und Naturwissenschaften ist. In Workshops und speziellen Aktionen gewinnen sie Einblicke in den Alltag der Betriebe und erproben ihre Fähigkeiten praktisch. Häufig werden ungeahnte Talente entdeckt und neue aufregende Berufswünsche eröffnet. Viele junge Frauen wurden in der Vergangenheit durch die Teilnahme am Girls` Day ermutigt, eine Ausbildung oder ein Studium in einem „untypischen“ Berufsfeld aufzunehmen.