„Politisch, effizient, nahbar“


Interview mit dem neuen Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer des Saarlandes, Dr. Arnd Klein-Zirbes

Interview mit dem neuen Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer des Saarlandes, Dr. Arnd Klein-Zirbes​

Herr Dr. Klein-Zirbes, was haben Sie sich für Ihr neues Amt vorgenommen?

Ich verstehe unsere Handwerkskammer als politische Einrichtung, die effizient arbeitet und ihre Dienstleistungen über moderne Kommunikationswege an ihre Mitglieder und andere Zielgruppen bringt. Wir geben dem saarländischen Handwerk eine Stimme, die in Politik, Medien und Verwaltung gehört wird. Unsere Rolle als Rechtsaufsicht nehmen wir dabei ernst. Wir sind Dienstleister für unsere Unternehmen und bieten diesen kompetente Beratung und Veranstaltungen, die für die betriebliche Praxis einen echten Nutzen haben. Stichwortartig und beispielhaft nenne ich unsere Unternehmens-, Ausbildungs- und Umweltberater, die raus zu unseren Mitgliedern fahren. Wir wenden uns aber auch an Zielgruppen, die nicht Mitglied bei uns sind. So zum Beispiel im Bereich Ausbildung an Schülerinnen und Schüler oder an diejenigen, die sich erst noch im Handwerk selbständig machen wollen. Mir ist es wichtig, dass wir niedrigschwellige Angebote machen. Dazu gehört auch die Kommunikation mit sozialen Medien. Hier müssen wir allerdings noch nachlegen. Unsere Mitglieder sollen nicht nur einmal im Jahr mit uns in Kontakt treten und von uns Post erhalten – und dann nur den Beitragsbescheid. Man soll uns kennenlernen und für gut befinden.

 

Zum Thema Politik: Welche Themen stehen dabei oben auf der Agenda?

Hinsichtlich der politischen Themen sind es vor allem die Gewerke übergreifenden Themen wie Fachkräftebedarf, Digitalisierung, Energie- und Umwelt oder Infrastruktur, bei denen wir als Vertretung des Gesamthandwerks eine besondere Rolle haben. Dabei geht es nicht nur darum, gegenüber der Politik die Interessen unserer Mitglieder zu vertreten. Es geht auch darum, relevante politische Themen rechtzeitig aufzugreifen, aufzubereiten und ins Handwerk zu tragen. Politische Kommunikation ist keine Einbahnstraße. Wir erarbeiten derzeit einen Masterplan Handwerk, der das Querschnittsthema Digitalisierung beinhaltet. Uns ist es wichtig, deutlich zu machen, dass Wirtschaft auch und insbesondere im Saarland mehr ist als Industrie, und Digitalisierung eben nicht nur die Industrie betrifft. Wir sollten dabei nicht zuletzt dem Thema Breitbandversorgung der Gewerbegebiete im ländlichen Raum unsere Aufmerksamkeit schenken. Und zwar gerade in den Gewerbegebieten, in deren Nähe kein Industrieunternehmen angesiedelt ist. Und selbstverständlich werden wir uns besonders dem Thema Ausbildung und Fachkräftesicherung widmen. Das ist ein Dauerbrenner, der uns in den nächsten Jahren weiter beschäftigen wird.

 

Wie sehen Sie die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt?

Beide arbeiten Hand in Hand. Ich habe den Eindruck, dass das bei unserer Handwerkskammer bestens funktioniert. Mir ist der persönliche Kontakt zu den Mitgliedern der Vollversammlung wichtig. Ich habe - gewissermaßen als erste Amtshandlung – alle Vollversammlungsmitglieder persönlich angeschrieben und einen Betriebsbesuch des neuen Hauptgeschäftsführers angeboten. Die positive Resonanz hat mich sehr gefreut. Ich lerne bei diesen Besuchen sehr viel über das saarländische Handwerk. Manche sprechen im Zusammenhang mit der Voll-versammlung ja auch vom „Parlament des Handwerks“. Zu Recht, wie ich finde. Eine Handwerkskammer ist eben keine klassische Behörde, sondern eine demokratische Einrichtung. Ihr höchstes Gremium ist die Vollversammlung, die von ihren Mitgliedern gewählt wird. Sie entscheidet über wichtige Fragen und sorgt dafür, dass die Arbeit des Hauptamtes gewissermaßen in der betrieblichen Realität geerdet ist.

 

Wie erklären Sie einem der skeptischen Mitglieder den Sinn der Handwerkskammer?

Sie steht für die Selbstverantwortung der Wirtschaft und damit nicht für mehr, sondern für weniger Bürokratie. Denn allein die hoheitlichen Aufgaben, die unsere Handwerkskammer erfüllt, müsste sonst tatsächlich eine klassische Behörde übernehmen – und die wäre sicher nicht so effizient und nicht so nah an den Handwerksunternehmen, die ja ihre Vollversammlung wählen. In der Handwerkskammer bestimmen die Unternehmer zusammen mit der Arbeitnehmerseite die Leitlinien.

 

Was hat Sie an dem Amt des Hauptgeschäftsführers im Saarland gereizt?

Es war mir wichtig, dass der Vorstand unserer Kammer und erst recht ihr Präsident Kammerarbeit als politische Aufgabe ansehen. Ich kenne die Kammerarbeit ja nicht nur aus meiner Tätigkeit für eine große Industrie- und Handelskammer, sondern auch aus meiner Zeit als Leiter der Kommunikationsabteilung bei der Handwerkskammer Rhein-Main. Handwerk steht für unternehmerische Leidenschaft, für Identifikation mit dem eigenen Unternehmen und auch den Mitarbeitern wie kaum ein anderer Bereich der Wirtschaft. Außerdem denken Unternehmer im Handwerk nicht in Quartalen, sondern in Generationen. Das Handwerk lebt Nachhaltigkeit in vieler Hinsicht. Hinzu kommt die große Vielfalt des Handwerks mit seinen rund 130 Ausbildungsberufen. Dass das Saarland eine Menge landschaftlicher und kultureller Reize hat, die meine Entscheidung mit beeinflusst haben, muss ich nicht extra betonen. Die Arbeit mit den Nachbarkammern, in der Großregion und mit Frankreich ist natürlich besonders interessant.

 

Was sind die drängendsten Aufgaben der nächsten Zeit?

Zusammen mit dem Vorstand erarbeiten wir derzeit ein Zielbild für die nächsten Jahre unserer Kammer. Soviel kann man wohl schon sagen: Neben unserem ‚Zukunftsprojekt‘, mit dem wir die Ausbildung des Handwerks im Saarland für die nächsten Jahre gut aufstellen möchten, geht es auch um eine Professionalisierung der internen Kommunikation. Ein Thema, das gerne unterschätzt wird, aber wichtig ist.

 

Wie sehen Sie die Zukunft des Handwerks grundsätzlich?

Sicher ist die Digitalisierung ein epochales Ereignis, das nicht spurlos am Handwerk vorbei geht. Ich habe mich kürzlich mit einem Zahntechniker unterhalten, den das Thema 3D-Druck umtreibt. Erfindungen wie Google-Glass ermöglichen es, sich im Internet zu bewegen und dabei beide Hände frei zu haben. Das wird Auswirkungen auf die Ausbildung haben. Unsere Handwerkskammer arbeitet derzeit an dem Projekt „KOLA“. KOLA steht für „Kompetenz Orientiertes Lernen im Arbeitsprozess“. Ziel ist es, mittels digitaler Medien wie Tablets die räumliche Trennung von Schule, Betrieb und Bildungseinrichtungen wie unsereer GTZ zu überbrücken. Basis ist eine Lernplattform, auf die man immer und von überall aus Zugriff hat. Fest steht aber auch: Technische Neuerungen ändern nichts daran, dass Handwerk und Soziale Marktwirtschaft zusammengehören. Es mag ja sein, dass Ordnungspolitik heute nicht mehr auf den Lehrplänen an den Universitäten steht. Aber ich bleibe dabei: Die Soziale Marktwirtschaft und ihre grundsätzlichen Prinzipien sind das Zukunftsmodell, von dem wir uns nicht abwenden dürfen. Und deshalb ist es wichtig, dass wir auch auf europäischer Ebene den handwerklichen Meisterbrief in seiner jetzigen Form immer wieder verteidigen. Schon Ludwig Erhard hat den Befähigungsnachweis als ein wirksames Instrument der Leistungssteigerung gesehen, durch das im Handwerk erst die Voraussetzungen für einen gesunden Wettbewerb unter Könnern geschaffen wird. Und genau darum ging es, darum geht es und darum wird es im Handwerk immer gehen: Um den Wettbewerb unter Könnern.

 

ZUR PERSON

Hauptgeschäftsführer Dr. Arnd Klein-Zirbes (44) ist seit März 2015 bei der Handwerkskammer des Saarlandes. Zuvor leitete er als Mitglied der Geschäftsführung den Kommunikationsbereich der IHK Köln. Dort baute er auch das Verbindungsbüro zum IHK-Präsidenten Paul Bauwens-Adenauer auf, das er im Anschluss leitete. Im Rahmen seiner IHK-Tätigkeit absolvierte er Stationen bei der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer in New York und im EU-Büro des Deutschen Industrie- und Handelskammertages in Brüssel. Von 2004 bis 2008 verantwortete er als Projektdirektor verschiedene Baumessen der Leipziger Messe und verhandelte unter anderem in Hongkong, Kiew, Warschau, Bologna und Paris. Von 1999 bis 2004 leitete er bei der Handwerkskammer Rhein-Main mit Hauptverwaltungen in Frankfurt am Main und Darmstadt die Öffentlichkeitsarbeit. 1997 bis 1999 arbeitete er als Informationskorrespondent für die Vertretung der Europäischen Kommission in der Bundesrepublik Deutschland. Nach seinem Studium der Politischen Wissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn promovierte er nebenberuflich zu einem Thema der Sozialen Marktwirtschaft. Dr. Klein-Zirbes ist verheiratet und hat einen Sohn.