Saarländische Orgeln spielen weltweit


Orgelbau Mayer GmbH gehört zu Deutschlands Orgelbauspezialisten
Orgelbau Mayer GmbH gehört zu Deutschlands Orgelbauspezialisten

Vorsichtig fasst Stephan Mayer (48) mit weißen Handschuhen eine Palette von Orgelpfeifen an und sortiert sie in einem Ständer. „Die Oberflächen der Pfeifen aus einer Zinn-Blei-Legierung sind empfindlich gegen Fingerabdrücke“, erläutert Orgelbaumeister Mayer, geschäftsführender Gesellschafter der Orgelbau Mayer GmbH in Heusweiler. Er führt das Unternehmen in dritter Generation. Sein Vater  Gerd Mayer (75) steuerte das Unternehmen bis 2009 und schaut immer wieder in die Werkstatt rein. „Operativ mache ich aber nichts mehr“, sagt der Senior, der bei der Handwerkskammer Koblenz noch den Vorsitz im Prüfungsausschuss für Orgelbauer führt. Das 1953 von Hugo Mayer, dem Großvater des heutigen Inhabers gegründete Unternehmen, gehört zu den renommiertesten deutschen Pfeifennorgelbauern. Davon gibt es heute noch rund 170 mit etwa 2500 Beschäftigten in Deutschland, eine kleine, feine und überschaubare Branche. Kaum irgendwo ist in einem Produkt noch viel elementare Handwerksarbeit drin wie in einer Orgel.
Der Betrieb in einer ehemaligen Schule in Heusweiler sieht aus wie eine große Schreinerwerkstatt – Orgelbau ist gutes, traditionelles deutsches Handwerk. An den Wänden hängen Schraubzwingen aller Größen, schwere und solide Holz-Hobelbänke und Holzbearbeitungsmaschinen stehen bereit und es riecht angenehm nach Naturholz. Das meistverwendete Holz ist Eiche, die hinter dem Produktionsgebäude unter einem Dach trocken gelagert wird.
„Neben der Holzbearbeitung haben natürlich auch Elektrik und Elektronik Einzug gehalten, dafür haben wir auch Facharbeiter“, sagt Stephan Mayer. Nachwuchsprobleme hat Mayer in seinem Betrieb nicht: „Wir sind Ausbildungsbetrieb und haben genügend Bewerbungen.“ Das weibliche Element ist bei Mayer gut vertreten: Zum neuen Ausbildungsjahrgang ab September 2016  beginnt eine junge Dame ihre Ausbildung als Orgelbauerin. Und schon länger dabei ist schon Mona Dreßler (26), eine gebürtige Köllerbacherin. „Ich habe im September 2008 meine Ausbildung zur Orgelbauern bei Mayer begonnen, der Berufsschulteil fand in Ludwigsburg statt“, berichtet sie. Neben Koblenz ist die zweite deutsche schulische Ausbildungsstätte für Orgelbauer in Ludwigsburg. Ausbildungszeit: Dreieinhalb Jahre. 
Warum hat es Mona Dreßler zum Orgelbau hingezogen? „Handwerk hat mich schon immer interessiert. Ich arbeite gerne mit meinen Händen und ich freue mich über das Ergebnis meiner Arbeit.“ Sie musiziert selbst, spielt Querflöte und singt in einem Chor. „Natürlich höre ich auch gerne Orgelmusik, so etwa Filmmusiken, aber natürlich auch immer wieder Bach.“ Nein, sie hat ihre Berufswahl bis heute nicht bereut: „Es macht Spaß.“
Schon seit 1985 ist Orgelbauer Guido Kopp (51), gebürtiger Saarbrücker, bei Mayer. Seine Spezialität sind die Spieltische und Kleinorgeln. Wie kam er zum Orgelbau? „Ich wollte in meinem Berufsleben etwas mit Musik machen, aber nicht Berufsmusiker werden. Im Fernsehen sah ich eine Reportage über Orgelbauer und das war’s“, erzählt er. Er begann seine Ausbildung als Orgelbauer bei Mayer und ist heute noch dabei. „Ich fühle mich hier wohl, man kennt sich und jeder Tag bringt Neues.“
Welche Qualifikation braucht ein Orgelbauer? „Man darf keine zwei linken Hände haben, muss mit Holz umgehen können und ein feines Gespür haben, Musikalität schadet nicht“, bringt es Stephan Mayer auf den Punkt.
Orgelbau ist kein leichtes Geschäft: Die Branche hat einen erheblichen Strukturwandel zu bewältigen. Immer weniger neue Orgeln werden gebaut, die großen christlichen Kirchen sparen, leiden oft unter Finanznot. „Wir hängen schon am Wohlergehen der großen christlichen Religionen“, sagt Stephan Mayer. Vom Neubau hat sich das Geschäft auf Restaurierung und Wartung verlagert. „Jährlich bauen wir eine bis zwei neue Orgeln mit 40 bis 50 Registern“, so Mayer. Eine mittlere Orgel erfordert 10.000 bis 12.500 Arbeitsstunden und kostet rund eine halbe Million Euro. Wenn im Inland kaum neue Orgeln gebaut werden, müssen die Aufträge aus dem Ausland kommen: Paradeobjekte Mayers sind die Orgel in der Philharmonie der russischen Stadt Penza, 550 km südöstlich von Moskau, und eine Konzertorgel in der kasachischen Hauptstadt Astana.  Gerade bewirbt sich Mayer um einen Orgelbau einer christlichen Kirche in Südkorea. Seit Bestehen hat Mayer rund 500 Orgeln gebaut.
Und wie sieht es im Saarland mit dem Bau neuer Orgeln aus? „Nicht gut, die letzte Orgel hier haben wir 2008 in der Kirche ,Maria König‘ im Heusweiler Ortsteil Obersalbach, also quasi nebenan, gebaut“, so Mayer. Für die Zukunft ist er aber optimistisch, seinen Mitarbeiterstand von heute 15 halten zu können: „Wir sind als Familienbetrieb flexibel und passen uns dem Markt an.“    Der Jahresumsatz liegt im Durchschnitt bei 1,5 Millionen Euro.