Saarländisches Handwerk startet neuen YouTube-Kanal


Handwerkskammer des Saarlandes (HWK) reagiert auf Um­frage-Ergebnisse zur Fachkräftesituation
Mit Instrumenten wie einem neuen YouTube-Kanal begegnet die Handwerkskammer des Saarlandes (HWK) der Fachkräftesituation im Saar­land. Dass Handlungsbedarf besteht, belegt eine Umfrage, die die HWK kürzlich unter rund 1.400 saarländischen Handwerksunternehmen durchgeführt hat. Viele Betriebe stehen vor der Herausforderung, offene Stellen mit geeigneten Mitarbeitern zu besetzen. Auch die Suche nach Auszubildenden gestaltet sich zunehmend schwer. „Mit der Umfrage ha­ben wir wertvolle Informationen darüber gewonnen, wie unsere Mit­gliedsbetriebe die Versorgung mit Arbeitskräften beurteilen“, so HWK-Präsident Bernd Wegner. „Was wir bisher vermutet haben, können wir jetzt mit Zahlen belegen: Beim Thema Fachkräftebedarf besteht für das saarländische Handwerk dringender Handlungsbedarf. Alte Konzepte reichen nicht mehr, wir müssen neue Wege gehen und neue Instru­mente aufs Gleis setzen“, so der HWK-Präsident.
 
Demnach äußerten im dritten Quartal 2016 insgesamt 53 Prozent der be­fragten Unternehmen, Probleme bei der Stellenbesetzung mit qualifi­zierten Fachkräften in den zurückliegenden zwölf Monaten gehabt zu haben. Ein Drittel fand trotz langer Suche kein geeig­netes Personal.
20 Prozent waren erst nach länge­rer Suche erfolgreich. Ebenfalls Schwierigkeiten hatten die Betriebe bei der Besetzung freier Ausbildungsplätze. So konnten 21 Prozent ihre freien Lehrstellen nicht besetzen und 13 Prozent waren erst nach langer Suche erfolgreich. Die Betriebsinhaber, die Ausbildungsplätze unbesetzt lassen mussten, wurden nach den Gründen gefragt. 48 Prozent der Unternehmer gaben an, dass keine geeigneten Bewerbungen vorlagen. Bei 36 Prozent fand sich kein Interessent. Den Fall, dass zugesagte Ausbildungsplätze von den Auszubildenden nicht angetreten wurden, hatten elf Prozent der Unternehmen. Die Konsequenz zeigt sich auf dem Ausbildungsmarkt. Aktuell verzeichnet die Handwerkskammer einen Rückgang bei den Neuverträgen von 2,6 Prozent.
 
Social Media Konzepte
Handwerksunternehmen gehen heute neue Wege, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten, wie Caroline Lang, Vorstandsmitglied der Bäcke­rei Ziegler aus Heiligenwald, beispielhaft erklärt. Sie nutzt Facebook und YouTube, um die junge Zielgruppe für ihr Handwerk zu begeistern. „Un­sere Auszubildenden posten Selfies mit unseren Produkten auf Social-Media-Plattformen. Das zeigt ihre Leidenschaft für den Beruf und kommt bei den Jugendlichen sehr gut an. Das ist die Werbung, die unser Handwerk in der heutigen Zeit braucht“, erklärt Caroline Lang. Neben den bewährten Schulbesuchen und Betriebsführungen, die die Bäckerei Ziegler auch regelmäßig durchführt, sind für sie die digitalen Medien das wichtigste Instrument, um die junge Zielgruppe zu erreichen.
 
Das weiß auch die HWK, die ab sofort ihren YouTube-Kanal ‚Mach Dein Ding‘ startet, der von der Landesregierung gefördert wird. „Erfolgreiche YouTube-Kanäle leben davon, dass ihre Protagonisten unverstellt und neugierig an Themen herangehen. Authentizität ist dabei unerlässlich“, so HWK-Hauptgeschäftsführer Dr. Arnd Klein-Zirbes. „In unserem neuen YouTube-Kanal besucht der Student Marius Unternehmen, um Hand­werksberufe vor Ort zu erleben. Bislang hatte er vor allem als Kunde Kontakt zum Handwerk. Jetzt schaut er hinter die Kulissen, stellt den Mitarbeitern Fragen und lässt die Zuschauer so unmittelbar am Gesche­hen teilhaben.“ Der Livecharakter und die Spontanität werden durch eine bewegliche Kamera unterstützt. „Wir zeigen keine durchgestylten Hoch­glanz-Videos, sondern vermitteln Nähe und Unmittelbarkeit, die bei der YouTube-Community Überzeugungskraft und Glaubwürdigkeit genie­ßen. Gestellte Inszenierungen waren tabu“, so der HWK-Hauptge­schäftsführer weiter. Drei Filme gehen zunächst an den Start. Ab Januar folgen im Monatsrhythmus weitere. Ergänzt wird die YouTube-Seite durch eine direkte Verknüpfung mit HWK-Angeboten wie dem Lehrstel­lenradar ,www.lehrstellen-radar.de‘, der Azubi-Hotline 0681/ 5 809 809, sowie derLehrstellen- und Praktikantenbörse.
 
 
Saarbrücken, 15. Dezember 2016