Sonderumfrage zur Straßeninfrastruktur


Zu diesem Ergebnis kommt eine Sonderumfrage der Handwerkskammer des Saarlandes (HWK) unter rund 1.400 Handwerksbetrieben.
Handwerkskammer stellt Sonderumfrage zur Straßeninfrastruktur vor
 

Eine unzureichende instandgehaltene Straßeninfrastruktur beeinflusst den Geschäftsbetrieb negativ. Zu diesem Ergebnis kommt eine Sonderumfrage der Handwerkskammer des Saarlandes (HWK) unter rund 1.400 Handwerksbetrieben. Die befragten Unternehmen sehen Reparatur und Instandhaltung als wichtigste Aufgabe der Verkehrspolitik an.

Schlaglöcher, Staus, Sperrungen – die Straßeninfrastruktur ist ein wichtiges Thema für das Handwerk. Denn viele Handwerksbetriebe mit Lieferverpflichtungen, Baustellenverkehr und Kundendiensten sind auf ein gut funktionierendes Straßennetz angewiesen. „Doch leider mehren sich in letzter Zeit die Anzeichen dafür, dass die in die Jahre gekommene Straßeninfrastruktur auch im Saarland dringend einer Sanierung bedarf. Unsere Handwerksunternehmen werden im wahrsten Sinne des Wortes ausgebremst“, konstatiert HWK-Präsident Bernd Wegner.

Hoher Instandsetzungsbedarf

Mit ausreichend bis mangelhaft, das heißt von gerade noch befahrbar bis eigentlich unbefahrbar, beurteilen 33,8 Prozent der Unternehmen den Straßenzustand im Saarland. „Es zeigt sich, dass ein nicht unerheblicher Teil des Handwerks von maroden Straßenverhältnissen betroffen ist“, erklärt Wegner. Nur knapp ein Fünftel der Betriebe (19,3 %) beurteilen den Zustand des saarländischen Straßennetzes mit gut bis sehr gut. Rund ein Viertel (24,5 %) stellen der Beschaffenheit der von ihnen genutzten Straßen ein befriedigendes Zeugnis aus.

Dabei benutzen die Betriebe im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit am häufigsten innerörtliche Verkehrswege (39,2 %) und 14,5 Prozent Landstraßen. Diese Schwerpunktnutzung gibt die überwiegend regionale Ausrichtung vieler Handwerksbetriebe bei der Erbringung ihrer Werk- und Dienstleistungen wider. Doch ist das saarländische Handwerk auch überregional aktiv. Für 11,5 Prozent sind Autobahnen und für 11,8 Prozent Bundesstraßen die wichtigsten geschäftlichen Verkehrswege.

Geschäftstätigkeit beeinträchtigt

Die Umfrage zeigt, dass eine ungenügend instand gehaltene Straßeninfrastruktur den Geschäftsbetrieb negativ beeinflusst. Ein Drittel (32,5 %) der befragten Handwerksbetriebe ist davon überzeugt, dass der schlechte Zustand der Straßeninfrastruktur ihre Geschäftstätigkeit beeinträchtigt. Der Zeitverlust, den ein Unternehmen aufgrund der mangelhaften Straßeninfrastruktur erleidet, wird im Durchschnitt auf 4,3 Stunden pro Woche geschätzt. Im Bundesdurchschnitt beträgt der Zeitverlust 7,4 Stunden pro Woche.

Die Beeinträchtigungen bestätigt Schreinermeister Karl-Friedrich Hodapp aus Saarbrücken aus eigener Erfahrung: „Die Sperrung der A6 hatte massive Auswirkungen auf unser Geschäft. Meine Mitarbeiter mussten sich auf längere Anfahrtszeiten zu den Kunden einrichten. Im Gegenzug war aber auch die Erreichbarkeit unseres Geschäfts stark eingeschränkt.“ Hier wünscht sich der Handwerkunternehmer zukünftig auch ein besseres Baustellenmanagement seitens des Landes insbesondere im Hinblick auf die Einrichtung geeigneter Umgehungen.

Den Sanierungsbedarf gibt in der Umfrage die Qualitätsbeurteilung der Straßen im Zehnjahresvergleich wider. Nach der überwiegenden Ansicht der Handwerksunternehmen (44,3 %) hat sich der Zustand der Straßen in den letzten zehn Jahren verschlechtert oder ist sogar deutlich schlechter geworden. Hingegen nahmen lediglich 13,3 Prozent der Befragten eine Verbesserung der Straßenqualität wahr.

Gründe für die Zeitverluste

Als Hauptursache für die Zeitverluste nennen 54,8 Prozent der Betriebe Baustellen. Danach werden Staus (30,3 %) sowie generell überlastete Straßen (27 %) für die Zeitverluste verantwortlich gemacht. Die Sperrung von Brücken und Straßen führt bei rund 21 Prozent zu einem Zeitverlust. Hier besteht ja auch ein kausaler Zusammenhang, da gesperrte Straßen und dadurch bedingte Umleitungen zu Überlastung von Nebenstrecken führt, die für die Verkehrskapazitäten nicht ausgelegt sind. Die Sperrung der Fechinger Talbrücke in jüngster Vergangenheit ist dafür ein gutes Beispiel. 26,7 Prozent der Befragten werden durch einen schlechten Zustand der Fahrbahn und Langsamfahrstellen ausgebremst.

Schwerpunkte für die Handwerkspolitik

Um Beeinträchtigungen und Zeitverluste künftig zu verringern, setzen die Handwerksbetriebe auf die verstärkte Reparatur und eine insgesamt bessere Instandhaltung der bestehenden Straßeninfrastruktur. 46,8 Prozent der Betriebe sehen hier die vordringlichste Aufgabe der Verkehrspolitik. An zweiter Stelle steht mit 35 Prozent der Abbau von Verkehrsengpässen. Im Neubau von Straßenverbindungen sehen 15,8 Prozent und in der Optimierung der Verkehrsleitsysteme 14,1 Prozent der Unternehmer Aufgabenschwerpunkte der Verkehrspolitik.

Investitionen dringend erforderlich

„Die Wettbewerbsfähigkeit der saarländischen Handwerksunternehmen und damit Beschäftigung, Wachstum und Wohlstand wird entscheidend von der Straßenverkehrsinfrastruktur mit bestimmt. Sie ist eine Grundvoraussetzung für die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts“, unterstreicht HWK-Hauptgeschäftsführer Dr. Arnd Klein-Zirbes.

Saarbrücken, 25.8.2016