Umfrage: Handwerk fordert Breitbandausbau


Schnelles Internet ist für 92 Prozent der saarländischen Handwerksbetriebe ein wichtiger Standortfaktor
Schnelles Internet ist für 92 Prozent der saarländischen Handwerksbetriebe ein wichtiger Standortfaktor

Das Handwerk wird zunehmend digital: Immer mehr Handwerksbetriebe nutzen Möglichkeiten des Internets wie Cloud-Computing, um mit Kunden und Geschäftspartnern schnell und unkompliziert zu kommunizieren, zu informieren, eigene Daten zu verwalten, sich bei größeren Projekten auszutauschen oder um Prozesse zu verbessern. „Die Begriffe ‚Digitalisierung‘ und ‚Handwerk‘ gehören zusammen“, stellt Bernd Wegner, Präsident der Handwerkskammer des Saarlandes (HWK), fest. „Aber es gibt auch noch Luft nach oben“. Damit diese Luft nach oben genutzt werden und das saarländische Handwerk zur Sicherung seiner Wettbewerbsfähigkeit weitere Digitalisierungspotenziale ausschöpfen kann, ist vor allem eines nötig: Die entsprechende Infrastruktur. „Und das lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Breitbandausbau“ stellt Wegner fest. „Alle Handwerksbetriebe – ob sie nun in Städten oder im ländlichen Raum sitzen, brauchen einen adäquaten und leistungsfähigen Zugang zum weltweiten Datennetz.“ 

Breitbandumfrage bestätigt Nachholbedarf
Wie es um die Breitbandversorgung derzeit im Saarland bestellt ist, hat die HWK in einer aktuellen Sonderumfrage ermittelt, an der sich 725 Mitgliedsbetriebe beteiligt haben. Rund 92 Prozent der Befragten gaben dabei an, dass eine schnelle Internetverbindung für sie wichtig ist. Auf die Frage, wie die aktuelle Übertragungsbandbreite des Internetzugangs die Anforderungen des Unternehmens erfüllt, meinten 38 Prozent, dass die Bandbreite durchaus höher sein könnte, auch wenn sie derzeit noch ausreiche. Fast ein Drittel stellte aber fest, dass die Bandbreite bereits jetzt zu niedrig sei und zu Beeinträchtigungen im Betriebsablauf führe.

„Diese Zahlen zeigen uns, dass der Breitbandausbau für die saarländischen Handwerksbetriebe ein entscheidender Wettbewerbs- und Wirtschaftsfaktor ist“, stellt Bernd Wegner fest. „Unsere Umfrage bestätigt, dass viele Handwerksbetriebe langsame Internetanschlüsse konstatieren und sie deswegen Ausbaubedarf für ein schnelles Internet sehen.“ 

Dass Nachholbedarf in Sachen Breitbandgeschwindigkeit besteht, bekräftigt auch Schreinermeister Raphael Haas aus Elm, in dessen Unternehmen die Digitalisierung weit fortgeschritten ist. „Internet ist für uns wichtig, da wir zum Beispiel unsere Homepage als hauptsächliches Marketinginstrument nutzen und Kunden darüber bundesweit akquirieren. Wir sind auf ein schnelles und leistungsfähiges Internet angewiesen, denn unsere mit CAD entwickelten Pläne sind datenintensiv und die Übermittlung zu den Kunden ist oft sehr zeitraubend. Auch die Stabilität der Internetverbindungen ist sehr wichtig.“ Seine geplante Einrichtung eines Home-Office kann er derzeit nicht umsetzen, weil ihm dort nur langsame 6 Mbit/s zur Verfügung stehen.

Landesinnungsmeister Günter Bartruff, dessen Unternehmen unter anderem in Sachen Hausautomatisierung tätig ist, spricht ein zentrales Problem an: „Die langsamen Internetanschlüsse bremsen die schnellen Internetverbindungen aus. Neue Techniken wie beispielsweise Smart Home werden erst dann für den Verbraucher interessant, wenn das Internet flächendeckend mit ausreichender Geschwindigkeit zur Verfügung steht. Unsere Kunden wollen Fenster und Alarmanlage via App von unterwegs aus steuern oder ihre Heizung regulieren. Dazu muss das Internet im Saarland insgesamt schneller werden.“ Es nütze wenig, wenn man den Kunden erzähle, was neue Techniken alles können, wenn ein langsamer Internetzugang bei diesen zum Flaschenhals wird, so Bartruff weiter.

HWK-Hauptgeschäftsführer Dr. Arnd Klein-Zirbes weist darauf hin, dass das Saarland in Sachen Breitband nicht zuletzt deshalb zukunftsfest aufgestellt sein muss, damit die KMU des Handwerks die Möglichkeiten des Cloud-Computing voll ausschöpfen können. „Es geht um die Zukunftsfähigkeit des saarländischen Handwerks und damit um den gesamten Wirtschaftsstandort Saarland“, so Klein-Zirbes.