„Zukunft sichern, Standort stärken“


HWK zieht Jahresbilanz 2014

Fachkräftesicherung und Unternehmensnachfolge im Fokus

 
HWK zieht Jahresbilanz 2014
Fachkräftesicherung und Unternehmensnachfolge im Fokus

 

Anlässlich der Vorstellung des Geschäftsberichts 2014 der Handwerkskammer des Saarlandes (HWK) betont ihr Präsident Bernd Wegner, dass das Handwerk einen wichtigen Beitrag zur Sicherung des Wirtschaftsstandorts Saarland leiste: „Mit unseren Aktivitäten tragen wir nicht nur zur Zukunftssicherung unseres Wirtschaftsbereichs bei, sondern auch zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Saarland. Themen wie Fachkräftesicherung oder erfolgreiche Betriebsübernahmen stehen dabei ganz oben auf der Agenda. Wenn es uns gelingt, junge Menschen für das Handwerk zu begeistern und Unternehmen durch erfolgreiche Betriebsübergaben am Markt zu erhalten, zahlt das auf die Wettbewerbsfähigkeit unseres Bundeslandes ein.“

Hinsichtlich der Ausbildungssituation weist Bernd Wegner auf die rund 300 unbesetzten Lehrstellen im saarländischen Handwerk hin. Die Kammer hat seit Kurzem eine „Last-Minute-Hotline“ geschaltet, um freie Ausbildungsplätze zu besetzen. Unter der Telefonnummer 0681 5809-216 stehen von Montag bis Freitag zwischen 8:00 und 17:00 Uhr Ansprechpartner bereit, die Ausbildungsplätze in mehr als 40 handwerklichen Ausbildungsberufen nennen können und Tipps für Bewerbungen und Vorstellungsgespräche geben. Die HWK registrierte zum Jahresende 2014 5.736 Ausbildungsverhältnisse. Damit sank die Zahl gegenüber 2013 um 3,1 Prozent. Insgesamt schneidet das Saarland im Bundesvergleich aber nicht schlecht ab. Bundesweit beträgt der Rückgang insgesamt 3,3 Prozent.

Fachkräftepotenziale heben
Als Ursachen für die rückläufige Entwicklung nennt die HWK den demografischen Wandel, die anhaltende Akademisierung und die Berufsorientierung, die immer noch zu wenig über die Chancen der dualen Ausbildung informiere: „Die Berufsorientierung“, so Kammerpräsident Wegner, „muss weiter professionalisiert werden und stärker die Vorteile der dualen Ausbildung hervorheben.“ Ein abgeschlossenes Studium sei kein Karrieregarant mehr, eine Ausbildung im Handwerk könne der erste Schritt hin zur erfolgreichen unternehmerischen Selbständigkeit sein. 2014 führte die HWK einen Lehrer-Infotag ein, um Lehrkräfte gezielt über die duale Ausbildung und Karrierechancen im Handwerk zu informieren. Einen weiteren Hebel sieht sie in der gezielten Ansprache junger Menschen, die vom Hörsaal ins Handwerk wechseln könnten. „Hier haben wir einen Mitarbeiter für die Neuorientierer eingestellt. Neuorientierer sind für uns eine wichtige Zielgruppe, die aufgrund ihrer Vorkenntnisse für Führungsaufgaben im Handwerk prädestiniert ist“, erklärt der HWK-Präsident.

Diesen Weg ist Friseurmeisterin Viktoria Kurz aus Kleinblittersdorf gegangen, als sie sich während ihres Grundschulstudiums neu orientierte: „Die Möglichkeit bei der HWK meinen jetzigen Beruf in der Praxis kennenzulernen, die individuelle Beratung der HWK-Ausbildungsmeister und die Aussicht auf eine verkürzte Ausbildung auf Grund meiner vorherigen Ausbildung, haben mich in meinem Entschluss, mich für das Handwerk zu entscheiden, bekräftigt“, erklärte Viktoria Kurz bei der Pressekonferenz.

Unternehmensnachfolge stärken
Die Bedeutung erfolgreicher Unternehmensnachfolgen unterstreicht HWK-Hauptgeschäftsführer Dr. Arnd Klein-Zirbes: „Im saarländischen Handwerk stehen in den nächsten fünf Jahren rund 2.000 Unternehmen zur Übergabe an. Das sind gute Voraussetzungen für alle, die sich im Handwerk selbständig machen wollen. Wir stehen mit fünf hauptamtlichen Experten bereit, um die meistens sehr komplexen Übergabeprozesse auch über längere Zeiträume zu begleiten. Fest steht: Nur ein Unternehmen, das noch im Markt steht, kann einen Beitrag zur Ausbildungs- und Arbeitskräftesicherung und damit der Standortstärkung leisten“.

Das war auch für Maler- und Lackierermeister Ralf Weber aus Riegelsberg mit ein Grund, sich für die Übernahme des Malerfachbetriebs von Frank Grewenig zu entscheiden, bei dem er seit 1976 beschäftigt war: „Die Familie des verstorbenen Firmeninhabers hat mich bestärkt, das Unternehmen fortzuführen. Die HWK-Experten unterstützten mich tatkräftig bei diesem Vorhaben. Meine Frau und ich haben es nicht bereut, dass wir diesen Weg gehen.“ Die Übernahme des Betriebs durch Ralf Weber ist zum Jahreswechsel 2015 erfolgt.

Als Service für potenzielle Übergeber und Übernehmer hat die HWK eine Betriebsbörse eingerichtet, bei der sich die Interessenten kostenlos registrieren lassen können. Sie ist im Internet unter www.hwk-saarland.de/beratung/existenzgruendung/betriebsboerse zu finden.


HWK-Leistungsbilanz
Als Dienstleister für das Handwerk führte die HWK im vergangenen Jahr über 14.500 Beratungen durch, davon allein 6.500 Aus- und Weiterbildungsberatungen und 7.745 Unternehmensberatungen. Außerdem nahmen rund 10.700 Teilnehmer an der Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung teil. Im Bereich der beruflichen Weiter- und Fortbildungen kam es zu 3.059 Abschlüssen und es wurden insgesamt 4.163 Zwischen-, Gesellen- und Abschlussprüfungen durchgeführt.