
In seinem Jahresrückblick blickt HWK-Digitalisierungsberater Alexander Petto auf die digitalen Entwicklungen im Handwerk zurück.
Von Alexander Petto, DigiBIT der Handwerkskammer des Saarlandes
Das Jahr 2025 hat eindrucksvoll vor Augen geführt, wie rasant sich die digitale Welt verändert und wie stark diese Entwicklungen inzwischen auch den Alltag im Handwerk beeinflussen. Die Zahl der neuen Schadprogramme und der bekannt gewordenen Sicherheitslücken ist erneut gestiegen. Viele dieser Angriffe sind heute so professionell aufgebaut, dass sie auf den ersten Blick kaum noch zu erkennen sind. Kriminelle nutzen moderne Werkzeuge, um kleine und große Betriebe ins Visier zu nehmen. Besonders spürbar wurde dies bei gefälschten E-Mails, manipulierten Rechnungen und täuschend echten Anrufen, bei denen Stimmen künstlich nachgebildet werden. Gleichzeitig sind gefälschte Videos und Bilder inzwischen so gut, dass selbst erfahrene Mitarbeiter verunsichert werden können. Für Handwerksbetriebe bedeutet das vor allem eines. Aufmerksamkeit und klare Abläufe sind wichtiger geworden als je zuvor.
KI wird zur Selbstverständlichkeit
Ein großes Thema in diesem Jahr war der Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Viele Betriebe nutzen KI inzwischen selbstverständlich, beispielsweise bei der Texterstellung, zur Unterstützung im Büro oder zur Auswertung von Bildern. Das spart Zeit und schafft Freiräume. Allerdings nutzen auch Kriminelle dieselben Technologien, um ihre Angriffe glaubwürdiger und schneller zu machen. KI kann heute bereits selbstständig Phishing-Nachrichten verfassen, Stimmen imitieren und ganze Kontaktverläufe nachbilden. Dadurch entsteht ein neues Risiko, dem man nur mit Wissen, gesunden Routinen und einer guten technischen Ausstattung begegnen kann. Gleichzeitig sind aber auch die Schutzsysteme besser geworden. Neue Sicherheitsprogramme nutzen KI, um ungewöhnliches Verhalten früh zu erkennen und schneller zu reagieren. Der Wettbewerb zwischen Angreifern und Verteidigern hat sich damit erneut spürbar beschleunigt.
Wichtige Veränderungen im rechtlichen Bereich
Neben diesen technischen Entwicklungen gab es auch im rechtlichen Bereich wichtige Veränderungen. So sorgt die europäische NIS-2-Richtlinie dafür, dass große Einrichtungen, Verbände und andere wichtige Organisationen künftig strengere Sicherheitsstandards einhalten müssen. Auch wenn viele Handwerksbetriebe nicht direkt von der Regelung betroffen sind, werden sie die Auswirkungen spüren, da sie Teil von Lieferketten sind oder mit diesen Einrichtungen zusammenarbeiten. Gleichzeitig wurde der modernisierte IT-Grundschutz vorgestellt. Dieser strukturiert die Anforderungen an die Informationssicherheit einfacher und übersichtlicher, ohne ihren Kern zu verwässern. Mit dem neuen EU-KI-Act entsteht zudem ein Ordnungsrahmen für den Einsatz von KI. Betriebe, die KI nutzen, müssen künftig genauer dokumentieren, wie diese Werkzeuge eingesetzt werden, und darauf achten, dass die Technik transparent, sicher und verantwortungsvoll verwendet wird.
Sicherheit der E-Mail-Kommunikation
Ein weiteres Thema, das 2025 viel Aufmerksamkeit erhielt, ist die Sicherheit der E-Mail-Kommunikation. Nach wie vor beginnen viele Angriffe genau dort. Besonders gefährlich sind manipulierte PDF-Rechnungen, bei denen Kriminelle die Kontodaten heimlich verändern. Das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein hat entschieden, dass eine Rechnung nicht als sicher übermittelt gilt, wenn sie ohne ausreichende Verschlüsselung verschickt wurde. Dies macht deutlich, wie wichtig klare Abläufe im Büro sind und dass einfache Vorsichtsmaßnahmen, wie das gründliche Prüfen von Bankverbindungen, von entscheidender finanzieller und rechtlicher Bedeutung sein können.
Notfallmanagement
Auch das Thema Notfallmanagement gewinnt im Handwerk zunehmend an Bedeutung. Mehrere reale Vorfälle haben gezeigt, dass Betriebe, die sich im Vorfeld mit Notfällen auseinandersetzen, deutlich widerstandsfähiger sind. Oft reicht ein einfacher Plan, der festlegt, wer im Ernstfall was tut und wie der Betrieb weiterlaufen kann, um kritische Situationen gut zu überstehen. Die Erfahrungen der letzten Jahre – von Cybervorfällen bis hin zu allgemeinen Krisen – haben deutlich gemacht, dass Vorbereitung ein wichtiger Teil des betrieblichen Erfolgs ist.
Trotz aller Herausforderungen war 2025 auch ein Jahr der Zusammenarbeit. Im Netzwerk der bundesweit tätigen DigiBITs, in den Sicherheitsinitiativen und in vielen handwerklichen Betrieben wurde intensiv daran gearbeitet, digitale Themen verständlicher und praxisnäher zu vermitteln. Die Nachfrage nach Schulungen, Beratungen und Austauschformaten ist weiter gestiegen. Dies zeigt, dass das Bewusstsein im Handwerk wächst und viele Betriebe aktiv daran arbeiten, ihre digitale Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.
Ansprechpartner
Alexander Petto
Beauftragter für Innovation und Technologie Themenschwerpunkt Digitalisierung (DIGI–BIT)*
Telefon 0681 5809-141
a.petto@hwk-saarland.de
* Gefördert durch: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.