
Foto: Oliver Dietze
Das saarländische Handwerk beweist in einem gesamtwirtschaftlich herausfordernden Umfeld seine Robustheit. Zu diesem Ergebnis kommt die Herbst-Konjunkturumfrage der Handwerkskammer des Saarlandes (HWK), die heute vorgestellt wurde.
Die Lage im dritten Quartal hat sich stabil entwickelt. „85 Prozent unserer Betriebe, genauso viele wie vor einem Jahr, beurteilten ihre Geschäftslage mit gut oder befriedigend. Das ist angesichts der Rahmenbedingungen – schwaches Konjunkturklima, geopolitische Krisen, höhere Kosten und stockende Reformen – sehr bemerkenswert. Ich bin stolz auf unsere Handwerkswirtschaft, da sie einmal mehr beweist, wie leistungsfähig und anpassungsfähig sie ist“, sagte HWK-Präsident Helmut Zimmer. Das saarländische Handwerk sei ein Stabilitätsanker in unruhigen Zeiten, so Zimmer weiter.
Stabile Beschäftigungsentwicklung
Auch die übrigen Umfrageindikatoren belegen die Stabilität der Entwicklung im dritten Quartal dieses Jahres. Die Umfragewerte zu Umsatz- und Auftragszahlen sind mit denen des Vorjahresherbsts vergleichbar. Die betrieblichen Kapazitäten waren im Durchschnitt zu 80 Prozent ausgelastet. Eine geringfügige Reduktion zeigte sich bei der Auftragsreichweite, die aktuell bei 9,6 Wochen liegt – eine halbe Woche weniger als im Herbst 2025.
„Stabil verlief auch die Beschäftigungsentwicklung“, freute sich der HWK-Präsident. Insgesamt hielten 87 Prozent der Betriebe ihre Belegschaft konstant oder stellten sogar zusätzliches Personal ein. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als im Vergleichsquartal des Vorjahres.
Vorsichtiger Blick auf das Schlussquartal
Die Betriebe zeigen sich für das vierte Quartal zurückhaltend. 77 Prozent (Herbst 2025: 79 Prozent) gehen davon aus, dass sich die Geschäftslage nicht verändert oder verbessert. So erwarten drei Viertel der befragten Handwerksunternehmen gleichbleibende oder sogar steigende Auftragseingänge. Die Beschäftigung dürfte sich stabil entwickeln. 84 Prozent (Herbst 2025: 84 Prozent) planen, die Zahl ihrer Beschäftigten konstant zu halten, während acht Prozent (Herbst 2025: vier Prozent) zusätzliche Mitarbeiter einstellen wollen.
„Das Handwerk im Saarland meistert auch schwierige Zeiten. Damit das auch in Zukunft so bleibt, braucht es die richtigen Rahmenbedingungen“, sagte HWK-Hauptgeschäftsführer Hans-Ulrich Thalhofer. Er führt die zurückhaltende Einschätzung für die nahe Zukunft auch auf die allgemeine Stimmung im Land zurück: „Die Betriebe müssen endlich merken, dass Reformen umgesetzt werden und sich etwas bewegt.“ Insbesondere fordert er niedrigere Lohnebenkosten sowie insgesamt bezahlbare Energie für alle.
Fachkräfte und Nachfolge bleiben zentral
Präsident und Hauptgeschäftsführer wiesen zudem auf die Zukunftschancen für den Nachwuchs im Handwerk hin. Aufgrund des demografischen Wandels suchen viele Betriebe Fachkräfte. Im Saarland stehen mit Blick auf die kommenden fünf Jahre zudem über 2.000 Handwerksbetriebe zur Nachfolge an. „Das Handwerk bietet jungen Menschen sichere Perspektiven, vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten und die Chance, die Zukunft aktiv mitzugestalten“, betonte Zimmer.
Handwerk als Schlüssel der Transformation
Alexandra Thees und Patrick Thees-Krämer von der Albert & Thees Sanitär- und Heizungstechnik GmbH in St. Ingbert bestätigen, dass das Handwerk auch bei der Transformation der saarländischen Wirtschaft eine Schlüsselrolle einnimmt. Die beiden führen den 1960 gegründeten Familienbetrieb seit 2017.
Gerade bei der Energiewende ist die Expertise des SHK-Handwerks gefragt, beispielsweise bei Wärmepumpen, Sanierungen, erneuerbaren Energien und energieeffizienten Gebäudelösungen.
Die aktuelle wirtschaftliche Lage beschreibt Alexandra Thees als solide. „Wir haben einen Auftragsvorlauf von aktuell vier Monaten, wobei es im Heizungsbauhandwerk gerade im Winter darauf ankommt, spontan reagieren und Kunden in Notsituationen zur Seite stehen zu können!“, so die Handwerksunternehmerin weiter.
Mit Blick auf die Fachkräftesicherung im eigenen Betrieb ergänzt Patrick Thees-Krämer: „Für ist es selbstverständlich, auch in den kommenden Jahren auszubilden und junge Menschen in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung zu begleiten und somit unseren Beitrag zum Gelingen der Wärmewende zu leisten!“. Diese könne jedoch nur gelingen, wenn Deutschland mehr gestalte, als verwalte, so der SHK-Meister weiter.

Zur Konjunkturumfrage
Die Handwerkskammer des Saarlandes vertritt rund 12.400 Mitgliedsbetriebe mit etwa 72.000 Beschäftigungsverhältnissen.
Für den Konjunkturbericht, der im Frühjahr und Herbst erscheint, werden Betriebe aus den folgenden Handwerksgruppen befragt: Bauhauptgewerbe, Ausbaugewerbe, Handwerke für den gewerblichen Bedarf, Kraftfahrzeuggewerbe, Lebensmittelgewerbe, Gesundheitsgewerbe sowie personenbezogene Dienstleistungsgewerbe.