
Die Plattform sollte nur mit einer klaren Strategie und rechtlicher Absicherung genutzt werden.
TikTok ist längst mehr als eine Plattform für Tanzvideos und junge Nutzerinnen und Nutzer. Auch wenn Handwerksbetriebe dort nicht zur typischen Zielgruppe zählen, bleibt TikTok ein fester Bestandteil der digitalen Welt – und somit auch ein Thema, mit dem sich Handwerker auseinandersetzen sollten. „Denn wer beruflich oder privat in sozialen Netzwerken unterwegs ist, bewegt sich in einem Spannungsfeld aus Chancen und Risiken. Gerade TikTok funktioniert nach eigenen Regeln, die nicht jedem bekannt sind – aber jeden betreffen können, der Inhalte hochlädt oder konsumiert“, sagt Alexander Petto, Digitalisierungsbeauftragter (Digi-BIT) der Handwerkskammer des Saarlandes.
Anders als bei klassischen Plattformen wie Facebook oder Instagram entscheidet bei TikTok ein Algorithmus innerhalb weniger Sekunden darüber, ob ein Video Reichweite erhält oder nicht. Dadurch können auch einfache Clips von Baustellen, Werkstätten oder Auszubildenden plötzlich viral gehen. Was auf den ersten Blick nach einer guten Gelegenheit für mehr Sichtbarkeit klingt, bringt jedoch auch einige Risiken mit sich. „Genauso schnell, wie ein Video populär wird, kann es auch wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwinden – oder noch schlimmer: negative Aufmerksamkeit auf sich ziehen“, so Petto.
Ein oft unterschätztes Problem liegt im Bereich des Datenschutzes und des Urheberrechts. Viele Inhalte auf TikTok nutzen Musik, die über die App zur Verfügung gestellt wird. Was viele nicht wissen: Die Lizenzbedingungen gelten nicht automatisch auch für gewerbliche Zwecke. Handwerksbetriebe, die ein scheinbar harmloses Video mit populärer Hintergrundmusik veröffentlichen, bewegen sich daher rechtlich in einer Grauzone. Auch das Filmen von Mitarbeitenden, Kunden oder Arbeitsorten kann datenschutzrechtlich problematisch sein, insbesondere wenn nicht alle Betroffenen vorher ausdrücklich zugestimmt haben.
Begrenzte Kontrolle
Darüber hinaus ist die Kontrolle darüber, was mit einem Video geschieht, begrenzt. Kommentare lassen sich nur eingeschränkt moderieren und einmal veröffentlichte Inhalte können sich unkontrolliert verbreiten – auch in einem dem Betrieb schadenden Kontext. „Für kleinere Betriebe ohne eigene Kommunikations- oder Rechtsabteilung kann das schnell zur Belastung werden. Ein falsch verstandener Witz oder ein ungeschickter Kommentar im Video reicht manchmal schon aus, um im Netz Empörung auszulösen“, warnt der Digi-BIT.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Handwerksbetriebe TikTok grundsätzlich meiden müssen. Wer die Plattform versteht, regelmäßig Inhalte produziert und medienrechtlich sicher agiert, kann sie durchaus erfolgreich nutzen, beispielsweise zur Gewinnung von Auszubildenden oder zur Imagepflege. Für alle anderen gilt: Beobachten ja, mitmachen aber nur mit klarer Strategie und rechtlicher Absicherung. Plattformen wie Instagram, Facebook oder YouTube sind für viele Betriebe transparenter und leichter kontrollierbar und damit oft die bessere Wahl für den Einstieg in die digitale Sichtbarkeit.
Letztendlich ist nicht der Hype entscheidend, sondern die Frage, ob ein Medium zu den eigenen Ressourcen, Zielen und Werten passt. TikTok ist Teil der digitalen Welt, aber nicht zwingend ein Werkzeug für jeden Betrieb. Wer dabei sein möchte, sollte sich über die damit verbundenen Aspekte im Klaren sein. „Wer lieber auf Nummer sicher geht, ist mit einem durchdachten Auftritt auf den klassischen Kanälen meist besser beraten“, rät Petto.
Ansprechpartner
Alexander Petto
Beauftragter für Innovation und Technologie Themenschwerpunkt Digitalisierung (DIGI–BIT)
Telefon 0681 5809-141
a.petto@hwk-saarland.de