
Auch in diesem Jahr war Frankfurt wieder Veranstaltungsort für eine der wichtigsten Messen im Bereich der additiven Fertigung: die Formnext 2025. Wer durch die Hallen ging, erkannte schnell zwei sehr unterschiedliche Welten. Im vorderen Bereich dominierten farbenfrohe Modelle, Figuren und Designobjekte – eine lebendige Szene, die seit Jahren selbstverständlich mit 3D-Druck arbeitet. Es war laut, es blinkte und glänzte, und vieles richtete sich an Hobbyanwender, Maker und Enthusiasten.
Ganz anders präsentierte sich der hintere Bereich der Messe. Dort standen die industriellen Systeme, die für Handwerksbetriebe tatsächlich relevant sein können: robuste Maschinen, ausgereifte Prozessketten, moderne Materialien und digitale Werkzeuge, die auf Präzision, Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit ausgelegt sind. Der 3D-Druck hatte hier längst industrielle Reife erreicht – mit klar messbarem Nutzen.
Saarländische Betriebe auf Technologie-Sichtung
Vor diesem Hintergrund nutzten zwei saarländische Betriebe die Gelegenheit, sich vor Ort über technologische Entwicklungen zu informieren und mögliche Einsatzfelder für das eigene Unternehmen zu prüfen. Für die Dimanigo GmbH aus St. Wendel nahmen Geschäftsführer Thomas Tröster sowie Svenja Spork an der Messe teil. Sie beschäftigen sich bereits seit einiger Zeit mit additiver Fertigung und prüfen, wie diese Technologie in bestehende Fertigungsabläufe in ihrem Sanitätshaus integriert werden kann. Von der Zahntechnik Jürgen Quetsch GmbH in St. Ingbert informierte sich Aaron Quetsch, der Juniorchef des Betriebs, über moderne Dentalverfahren und geeignete Materialsysteme.
Konkrete betriebliche Fragestellungen
Für beide Unternehmen ging es dabei nicht um ein Trendthema, sondern um konkrete betriebliche Fragestellungen. In der Zahntechnik spielt Präzision seit jeher eine zentrale Rolle. Die additive Fertigung ermöglicht es, Modelle, Schienen oder Funktionsbauteile mit hoher Wiederholgenauigkeit herzustellen und gleichzeitig Ressourcen zu sparen. Auch in der orthopädischen Fertigung, wie sie Dimanigo abdeckt, bietet der 3D-Druck neue Möglichkeiten. Prototypen können schneller entstehen, Bauteile lassen sich funktional verbessern und kleine Serien werden wirtschaftlich interessant. Dies ist besonders in Bereichen von Vorteil, in denen klassische Fertigungsprozesse an ihre Grenzen stoßen.
Die Formnext liefert dafür den idealen Überblick. Neben Polymerdruckern für robuste Kunststoffteile und SLS-Systemen für präzise Funktionsbauteile werden Metallanlagen präsentiert, die hochfeste Strukturen generieren können. Hinzu kommen Softwarelösungen für Konstruktion, Simulation und Qualitätskontrolle, die es ermöglichen, den gesamten Prozess digital abzubilden. Ein Aspekt, der für Handwerksbetriebe angesichts steigender Anforderungen an Dokumentation und Nachverfolgbarkeit zunehmend wichtiger wird.

Fachlich begleitet durch 3D-Druck-Experten der HWK
Mit vor Ort war auch Alexander Petto, DigiBIT der Handwerkskammer des Saarlandes – und zugleich ausgewiesener Experte für 3D-Druck und digitale Fertigungsprozesse. Petto kennt sowohl die technischen Entwicklungen der Branche als auch die konkreten Anforderungen aus dem handwerklichen Arbeitsalltag.
Durch seine Begleitung konnten die Betriebe technische Versprechen der Hersteller realistisch einordnen und gezielt Fragen zu Wirtschaftlichkeit, Materialkosten, Prozessstabilität und Schulungsbedarf direkt an den Ständen klären. Der Messebesuch hat deutlich gemacht, dass 3D-Druck im Handwerk längst kein Zukunftsbild mehr ist. An vielen Stellen kann die Technologie heute schon eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Verfahren sein. Voraussetzung ist, dass Betriebe sorgfältig zwischen Consumer-Hype und industriell tragfähigen Lösungen unterscheiden und die Technik dort einsetzen, wo sie tatsächlich einen Mehrwert schafft
Ansprechpartner
Alexander Petto
Beauftragter für Innovation und Technologie Themenschwerpunkt Digitalisierung (DIGI–BIT)*
Telefon 0681 5809-141
a.petto@hwk-saarland.de
* Gefördert durch: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.