
Der Fachkräftemangel ist im Handwerk allgegenwärtig. Während rund 40.000 Bewerber unversorgt bleiben, sind im Jahr 2024 noch immer 19.000 Ausbildungsplätze im Handwerk unbesetzt. Die Zahlen zeigen: Es mangelt oft nicht an jungen Menschen, sondern an der passenden Zusammenführung. Viele Betriebe suchen dort, wo die Generation Z sich nicht aufhält. Es ist Zeit für einen Strategiewechsel.
Das Kanal-Dilemma: Wo die Jugend wirklich surft
Beim digitalen Recruiting setzen viele Handwerksbetriebe noch immer stark auf Facebook und Business-Netzwerke wie LinkedIn oder Xing. Doch die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Über 70 Prozent der Unternehmen sind auf Facebook aktiv, doch nur rund 25 Prozent der Jugendlichen nutzen diese Plattform regelmäßig.
Die Zielgruppe der 14- bis 19-Jährigen ist heute auf Instagram, TikTok, YouTube und Snapchat aktiv. Wer Auszubildende gewinnen will, muss dort präsent sein, wo die Aufmerksamkeit liegt. Das bedeutet: weg von textlastigen Stellenanzeigen, hin zu einer „Video-First“-Strategie.
Authentizität schlägt Hochglanz: Die Kamera einfach mal draufhalten
Die gute Nachricht ist: Sie brauchen kein Hollywood-Equipment. Kurze, authentische Videos mit dem Smartphone (sogenannte „Short-Form Videos“ wie Reels oder TikToks) funktionieren am besten. Zeigen Sie den echten Alltag:
- Hinter den Kulissen: Wie sieht die Werkstatt aus? Welches Werkzeug wird benutzt?
- Moderne Technik: Viele Jugendliche halten das Handwerk für verstaubt und wissen nichts vom Einsatz von KI, Smart Home oder CNC-Technik. Zeigen Sie diese Innovationen – das steigert die Attraktivität massiv.
- Erklärvideos: Zeigen Sie „drei Dinge, die du über den Beruf wissen solltest“.
Videos halten die Aufmerksamkeit im Schnitt 85 Prozent länger als Text und transportieren die Unternehmenskultur viel effektiver.
Ihre besten Influencer tragen bereits Ihre Arbeitskleidung
Niemand kann den Beruf glaubwürdiger erklären als Ihre aktuellen Auszubildenden. Machen Sie Ihre Mitarbeiter zu Botschaftern. Lassen Sie einen Azubi seinen typischen Tag filmen oder Fragen vor der Kamera beantworten. Das baut Hürden ab, da die Azubis die Sprache der Zielgruppe sprechen. Vorher sollten aber die rechtlichen Basics geklärt sein, zum Beispiel sollten schriftliche Einwilligungen zur Veröffentlichung der Beiträge eingeholt werden. Auch sollten gemeinsame Spielregeln festgelegt werden, was gefilmt werden sollte und was nicht. So sind Betrieb und Azubi auf der sicheren Seite.
Die Hürden senken: Bewerbung per Klick
Wenn das Interesse geweckt ist, darf der Prozess nicht stocken. Ein kompliziertes Anschreiben schreckt ab. Implementieren Sie eine mobil-optimierte 1-Klick-Bewerbung oder ermöglichen Sie den Erstkontakt ganz niederschwellig über WhatsApp. Ziel ist es, schnell ins Gespräch zu kommen – den Papierkram kann man später erledigen.
Fazit: Einfach machen
Investieren Sie Ressourcen in authentische Inhalte statt in teure Imagefilme. Binden Sie Ihren Nachwuchs als „Digital-Lotsen“ ein und zeigen Sie den Stolz und die Technik des modernen Handwerks.

Ansprechpartner
Artur Hermann
Beauftragter für Innovation und Technologie (DIGI-BIT)*
Beratungsschwerpunkt Online-Marketing, Social-Media Marketing, Einführung und Nutzung von KI-Anwendungen, Digitale Geschäftsprozesse und -modelle, Informationen zu Förderprogrammen
Telefon 0681 5809-145
a.hermann@hwk-saarland.de
* Gefördert durch: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.
Die Umsetzung wird zusätzlich durch Landesmittel unterstützt.